Römisches Kaiserreich

Römisches Kaiserreich
 
Ausführlich haben wir die späte Römische Republik an uns vorbeiziehen lassen. Dabei ist, anders als in den meisten anderen Darstellungen, die gesamte Lebens- und Regierungszeit des Augustus noch unter der Republik abgehandelt worden. Das geschah, um die Offenheit des Geschichtsablaufs zu unterstreichen. Zu keinem Zeitpunkt der Herrschaft des Augustus war ein endgültiger Abschluss der Entwicklung erreicht, und das wird dann deutlich, wenn man die ungewöhnliche Länge dieses Lebens in Rechnung stellt. Wenn an seinem Ende die komplizierte Staatsform des Prinzipats einen gewissen Grad von Konsolidierung erreicht haben sollte, dann ist es sehr fraglich, ob dieselbe Wirkung etwa schon 23 v. Chr. eingetreten wäre, als Augustus lebensgefährlich erkrankt war und sich merkliche Opposition zeigte. Der übliche Einschnitt beim Jahr 27 v. Chr. — oder gar bei der Schlacht von Actium 31 v. Chr. — suggeriert, dass von da ab alles geklärt gewesen sei, was keineswegs der Fall war. Andererseits konnte natürlich auch Augustus nicht mit einer so langen Experimentierzeit rechnen; jede seiner Regelungen muss als endgültige gedacht gewesen sein. Die Probe aufs Exempel der Lebensfähigkeit der neuen Staatsform musste sich mit dem Tod des Augustus zeigen, und demgemäß wurde die erzählende Darstellung mit der Frage beendet, ob und wie die Nachfolgefrage gelöst werden würde. Jetzt soll sie beantwortet werden.
 
 Die julisch-claudische Dynastie (14—68 n. Chr.)
 
Die grundlegenden Quellen, die die Nachfolge des Augustus betreffen, sind die ersten Kapitel der »Annales« (»Annalen«) des Tacitus, die dieser etwa 100 Jahre nach diesem Ereignis geschrieben hat. Dort gibt der Historiker zwar trotz seiner Beteuerung, »sine ira et studio« (ohne Zorn und Eifer) zu schreiben, ein verzerrtes Bild der Vorgänge, man kann sie jedoch in ihrem wirklichen Ablauf rekonstruieren. Zu allererst ließ Tiberius das Heer auf sich vereidigen und teilte im Übrigen dem Senat mit, dass dieser die Kompetenz habe, frei über die Nachfolge zu entscheiden; er fühle sich der Aufgabe nicht gewachsen, und es sei vielleicht überhaupt besser, die Aufgaben zu teilen. Der Senat wiederum hielt es für selbstverständlich, dass Tiberius vollständig in die Stellung des Augustus eintrete, und verstand dieses Zögern überhaupt nicht. Einen ganzen Monat dauerte das peinliche Hin und Her, bis sich Tiberius endlich bereit erklärte, vom Senat das imperium proconsulare maius und die tribunicia potestas, die er ja nur befristet innehatte, auf Lebenszeit verliehen zu bekommen. Tacitus und mit ihm viele andere interpretierten das Verhalten des Tiberius als nackte Heuchelei und das des Senats als schmähliche Unterwürfigkeit.
 
In Wirklichkeit hatte es sich um nicht unverständliche Übergangsschwierigkeiten im Umgang mit einer komplizierten neuen Verfassung gehandelt, bei denen Tiberius und der Senat aneinander vorbeiredeten. Tiberius wollte jeden Anschein vermeiden, als sei er ein Gewaltherrscher, der die republikanische Freiheit missachte, und er wollte dementsprechend vom Senat freiwillig anerkannt werden. Der Senat auf der anderen Seite sah auf die Realitäten der Macht und konnte nicht verstehen, dass ihm wirklich eine andere Rolle als die des Jasagers zugemutet werde. Die Vereidigung der Soldaten zeigte ja deutlich die reale Lage, und da zudem sofort nach dem Tod des Augustus dessen anderer Adoptivsohn, Agrippa Postumus, getötet wurde, kann man diejenigen Senatoren schon verstehen, die das Zögern des Tiberius für eine Komödie hielten.
 
Der Konflikt zwischen dem Senat und Tiberius zeigt deutlich die Uneindeutigkeit der Staatsform. Tiberius benahm sich so, als bestünde eine Doppelherrschaft, sogar mit einem leichten Übergewicht des Senats. Der Senat war dagegen in der Herrschaftsanalyse schon weiter fortgeschritten, indem er seine Rolle nur als Dekoration innerhalb einer in Wirklichkeit monarchischen Herrschaft auffasste. Wenn wir also das von Augustus geschaffene politische System überhaupt mit einer neuzeitlichen, uns gewohnten Bezeichnung charakterisieren wollen, dann käme noch am ehesten der Begriff Monarchie infrage. Aber müssen wir das denn? Die Geschichte und das Interesse an ihr lebt ja von der großen Vielfalt der Erscheinungen, die sich von Mal zu Mal unterschiedlich ausprägen. Wenn man diese Herrschaftsform benennen will, sollte man ihr ihre Komplexität belassen. Augustus wurde, in Anlehnung an die Bezeichnung der informell führenden Männer der Republik, princeps genannt, der Erste. Deshalb heißt die von ihm begründete spezifische Variante der Monarchie principatus, Prinzipat.
 
Tiberius war nun princeps, und wenn er es auch an politischem Fingerspitzengefühl fehlen ließ, persönlich verschlossen war und in seinem bisherigen politischen Leben vielerlei Zurücksetzungen und Kränkungen hatte verwinden müssen, so war er, der immerhin von beiden Elternteilen her aus altadlig-republikanischem Hause stammte, doch ein überaus tüchtiger Soldat und Herrscher. Die blitzartige Vereidigung des Heeres auf ihn zeigte, dass er Notwendigkeiten energisch erledigen konnte. Ein Handicap begleitete allerdings die erste Zeit seiner Regierung. Augustus hatte in seinem Testament noch einen letzten Giftpfeil für Tiberius verborgen gehabt, indem er seine Frau Livia, die Mutter des Tiberius, ebenfalls adoptierte und ihr den Titel Augusta verlieh. Man beachte, wie schwer Augustus die Adoption des Tiberius nach dem Tod seiner beiden Enkel gefallen ist, die er in ihrer politischen Laufbahn protegiert und auf die er alle seine Hoffnungen bezüglich der Nachfolge gesetzt hatte. »Rei publicae causa« (um des Staates willen) soll Augustus gesagt haben, als er Tiberius letztendlich zu seinem Nachfolger berufen hatte.
 
Die Regierung des Tiberius (14—37 n. Chr.)
 
Große Neuerungen gingen von Tiberius nicht aus; er sah offenbar seinen Ehrgeiz darin, sachgerecht und gesetzmäßig zu regieren. Gerade dieses letztere Bedürfnis führte aber wieder zu einem Verhalten, das möglicherweise dazu gedacht war, die legalen Grenzen, die auch einem princeps gezogen waren, peinlich genau einzuhalten, das aber im Ergebnis wieder schreckliche Missverständisse, Verdächtigungen und menschliche Tragödien herbeiführte. Schon seit der hohen Republik gab es den Straftatbestand der Verletzung der Hoheit des römischen Volkes, also der laesa maiestas, und dieser war dann unter Augustus auf persönliche Beleidigung des princeps und auf politische Opposition erweitert worden. Und nun kam vieles zusammen. Erstens, dass, in der Antike nicht ungewöhnlich, die Todesstrafe auf dieses Verbrechen stand; zweitens, dass, ebenfalls normale Praxis, Strafverfolgung nur auf Antrag eintrat, dass aber der erfolgreiche Ankläger aus dem Vermögen des Verurteilten belohnt wurde; drittens, dass der Senat als der zuständige Gerichtshof in einem Übermaß an vorauseilendem Gehorsam einem vermeintlichen Willen des Tiberius zuvorzukommen suchte und Angst hatte, bei mangelndem Verfolgungseifer den Zorn und die heimliche Rache des princeps hervorzurufen; viertens schließlich die Scheu des Tiberius, sich offen einzumischen, bei gleichzeitigem Bestreben, doch seinen Willen durchzusetzen. So kam es, dass nach anfänglicher Zurückhaltung allmählich immer mehr Majestätsprozesse geführt wurden, insgesamt etwa sechzig, dass Tiberius auf Anfragen nach dem anzuwendenden Verfahren und nach dem gewünschten Urteil ausweichend reagierte und auf die Gesetze verwies und dass infolgedessen die gefällten Todesurteile nicht nur doch ihm zugerechnet wurden, sondern ihm zudem abermals den Vorwurf der Hinterhältigkeit und dem Senat den der Kriecherei einbrachten.
 
Sonst bestimmte vorsichtige Rechtlichkeit Tiberius' Politik. Er verbat sich, zu sehr in göttliche Sphären gehoben zu werden; er war sparsam im Geldausgeben; er baute die Provinzialverwaltung vorsichtig und überlegt aus. So ging er von der Praxis ab, die Statthalter nach republikanischem Muster in der Regel jährlich auszuwechseln, er führte sogar längere Dienstzeiten ein, die der Kontinuität der Verwaltung zugute kamen. So amtierte der berühmteste Statthalter der römischen Geschichte zehn Jahre lang hintereinander, nämlich der praefectus Iudaeae Pontius Pilatus. Dieser Mann aus dem Ritterstand stand der Unterprovinz Judäa als Statthalter nichtsenatorischen Typs von 26 bis 36 n. Chr. vor, und in seine Amtszeit fiel die Hinrichtung eines Mannes, der wegen Aufstandsversuches gegen die Römer verurteilt worden war — Jesus aus der Stadt Nazareth.
 
Germanicus und Vipsania Agrippina
 
Nach schweren Meutereien der Legionen an der Grenze zu Germanien und in Pannonien gleich nach dem Regierungsantritt des Tiberius ergab sich die Notwendigkeit, den Heeren nach der Niederwerfung der Meuterer Beschäftigung zu geben. So wurde noch im Jahre 14 n. Chr. der charismatische Neffe und Adoptivsohn des Tiberius, Germanicus, nach Germanien geschickt und durchzog das rechtsrheinische Gebiet, wobei er sogar wieder bis zur Elbe vorstieß. Er besuchte auch das Schlachtfeld der Niederlage des Varus und ließ die Überreste der Gefallenen bestatten. Aber die Verluste, auch im Jahr darauf, waren so groß, dass Tiberius erklären ließ, man habe sich nun hinreichend an den Germanen gerächt, und Germanicus durfte im Jahr 17 einen glänzenden Triumph feiern. Die römische Rheinarmee wurde nun in zwei Abschnitte eingeteilt, in das ober- und niedergermanische Heer, eine Vorform der späteren Provinzeinteilung. Das persönliche Schicksal des Arminius endete jetzt tragisch. Sein Schwiegervater Segestes verfolgte eine prorömische Politik, und auf diese Weise gelang es Rom, diesen Teil der Familie in die Hand zu bekommen. Thusnelda, die Gattin des Arminius, wurde im Triumph mitgeführt. Arminius kam 21 in innergermanischen Streitigkeiten um. Tacitus aber nennt ihn »haud dubie liberator Germaniae« (ohne Zweifel der Befreier Germaniens), und einen schöneren Nachruf konnte er wohl kaum bekommen.
 
Germanicus erhielt 18 von Tiberius den Auftrag, allerlei diplomatische und organisatorische Probleme im Ostteil des Reiches zu lösen; seine Gattin Vipsania Agrippina (Agrippina die Ältere), Tochter des Agrippa und der Augustustochter Iulia, reiste mit. Er erfüllte seine Aufgaben, die in der Regelung der Verhältnisse in Armenien und in Verhandlungen mit den Parthern bestanden, gut. 19 reiste er nach Ägypten, ohne Tiberius um Erlaubnis zu bitten, und wurde in Alexandria und im ganzen Land, das er auf einer Art Besichtigungstour durchreiste, stürmisch gefeiert. Natürlich musste das das Misstrauen des Kaisers erwecken. Nach seiner Rückkehr nach Syrien erkrankte er schwer und starb. Agrippina verkündete von nun an, er sei auf Geheiß des eifersüchtigen Tiberius durch den Statthalter von Syrien, Gnaeus Calpurnius Piso, vergiftet worden, und letzteres Gerücht war so stark, dass Piso wirklich der Prozess gemacht wurde und er sich nur durch Selbstmord einer Verurteilung entziehen konnte. Agrippina konnte den Tod ihres Mannes nicht verwinden. Sie trat mit ihren neun Kindern ständig in der Öffentlichkeit auf und beschuldigte direkt und indirekt den Kaiser, an Germanicus' Tod schuld zu sein. Schließlich wurde sie 29, im Todesjahr Livias, auf die Insel Pandateria verbannt, auf der auch die beiden Iuliae, die Tochter und die Enkelin des Augustus, umgekommen waren, und sie ereilte mit zwei von ihren Kindern dasselbe Schicksal.
 
Tiberius und die Sejanische Verschwörung
 
Tiberius hatte sich 27 auf die Insel Capri als ständigen Aufenthaltsort zurückgezogen. Seine schwierige Persönlichkeit ließ ihn die Anwesenheit in Rom als immer lästiger empfinden; über das, was er auf Capri getrieben haben soll, gab es verständlicherweise die aufregendsten Gerüchte. Tatsache ist nur, dass er die tatsächliche Regierung immer mehr den Händen eines Mannes anvertraute, der eine Gefahr für das Prinzipat darzustellen begann. Lucius Aelius Seianus (Sejan) war praefectus praetorio des Kaisers, also Kommandeur der Truppe, die schon den Feldherrn der späten Republik als persönliche Bedeckung zur Verfügung gestanden hatte. Diese Prätorianerpräfekten entstammten dem Ritterstand und waren daher wegen ihres Status von vornherein nicht in der Lage, Posten auszufüllen, die Senatoren vorbehalten waren. Sejan aber hatte das unbedingte Vertrauen des Kaisers und versuchte immer mehr, sich der kaiserlichen Familie zu verbinden und wohl auch das Prinzipat zu übernehmen.
 
Sejan, in Rom bereits durch zahlreiche Statuen geehrt, begann göttliche Verehrung entgegenzunehmen, und im Jahr 31 erreichte er den Höhepunkt seiner Macht, indem er zusammen mit dem Kaiser das Konsulat bekleidete und das imperium proconsulare erhielt, also allmählich zum Nachfolger designiert wurde. Aber dieses Jahr beendete Karriere und Leben. Anscheinend hatte er geplant, den Kaiser zu beseitigen, und nach jahrelangem Wegsehen und Schleifenlassen reagierte Tiberius nun schnell: Ein anderer wurde zum Prätorianerpräfekten ernannt, Sejan wurde am 18. Oktober 31 vor dem Senat angeklagt und noch am selben Tag hingerichtet. Tiberius lebte noch gut fünf Jahre, vernachlässigte die Regierung immer mehr und starb am 16. März 37 in Misenum (heute Capo Miseno).
 
Caligula (37—41 n. Chr.)
 
Falls den Römern die letzten Regierungsjahre des Tiberius langweilig vorgekommen sein sollten, so wurden sie durch seinen Nachfolger vollauf entschädigt. Tiberius hatte keinen seiner Verwandten eindeutig zum princeps designiert, und als er gestorben war, riefen die Prätorianer einen Sohn des Germanicus zum Kaiser aus, Gaius Iulius Caesar Germanicus. Dieser Gaius — so sein Name als Kaiser — war von Vipsania Agrippina schon als kleines Kind den Soldaten als möglicher zukünftiger Herrscher präsentiert worden, von ihnen hatte er den zärtlichen Spitznamen Caligula, »Soldatenstiefelchen«, bekommen. Auch hier war es die Aufgabe des Senates, die Einsetzung vorzunehmen, und so holprig dieser Vorgang noch bei Tiberius vor sich ging, so glatt erfolgte er nun bei Caligula; man wusste jetzt, wie die Nachfolge im Prinzipat stattzufinden habe, und erteilte dem jungen, im Jahre 12 n. Chr. geborenen Mann dieselben Rechte und Ehrungen wie Augustus und Tiberius.
 
Das Pech war, dass man einen Geisteskranken zum Kaiser gemacht hatte. Zunächst handelte Caligula noch einigermaßen vernünftig oder jedenfalls verständlich, so dadurch, dass er seine unter Tiberius verfolgten Geschwister öffentlich ehrte und drei seiner Schwestern auf Münzbildern mit göttlichen Attributen versehen ließ. Spätestens aber nach einer Krankheit im Herbst 37 zeigte er psychopathische Züge. Er wollte sich überall als Gott verehren lassen — ein in Jerusalem oder der Synagoge von Alexandria besonders riskanter Plan —, und er wollte seine Schwester Drusilla heiraten, die aber 38 starb. Er ist der berühmte römische Kaiser, der ein Pferd zum Konsul machte. Natürlich drückt sich darin auch eine Verachtung des Senatorenstandes aus, den er mit Majestätsprozessen, Hinrichtungen und Konfiskationen quälte. Kein Wunder, dass es Mordverschwörungen gegen den Kaiser gab; die dritte hatte Erfolg, am 24. Januar 41 wurde er umgebracht.
 
Claudius (41—54 n. Chr.)
 
Dass die Prätorianer Caligula zum Kaiser ausgerufen hatten und dass der Senat ihnen gefolgt war, zeigt die Stärke und Selbstverständlichkeit des dynastischen Prinzips, das den Kern des Prinzipats darstellte. Bei der Nachfolge des Caligula trat es in noch deutlicherer, ja in grotesker Weise zutage, und das nun Folgende ist keine Satire: Nach der Ermordung Caligulas durchstreiften die Soldaten die kaiserlichen Gemächer auf dem Palatin auf der Suche nach jemandem, den sie zum Kaiser machen könnten. Da sahen sie unter einem Vorhang zwei Füße hervorstehen, und als sie den zitternden Inhaber dieser Füße herauszerrten, stellte sich heraus, dass es sich um den bisher immer verlachten Bruder des Germanicus, Claudius, handelte. Sie taten ihm nicht nur nichts, sie riefen ihn im Gegenteil zum Kaiser aus. Claudius war Epileptiker, stotterte und hatte eine weitere Eigenschaft, die seine Rolle als Idiot der Familie noch steigerte, die zu benennen dem berichtenden Historiker aber eine gelinde Peinlichkeit bereitet: Er war nämlich auch Historiker, sogar ein guter, der bedeutende Werke zur etruskischen und karthagischen Geschichte und Bücher über Augustus und Cicero geschrieben hat — wir wären glücklich, wenn wir sie heute hätten. Für die Familie und seine Umwelt war er jedoch der belächelte, lebensuntüchtige Bücherwurm, der in allem das genaue Gegenteil des strahlenden Germanicus darstellte und den niemand ernst nahm.
 
Wie sehr sich nicht nur das Prinzipat, sondern auch das dynastische Prinzip durchgesetzt hatte, zeigt sich gerade in diesem Fall der Nachfolge des Caligula. Nach seinem Tod wurde ein letztes Mal in der römischen Geschichte und nur für wenige Stunden der Gedanke aufgeworfen, ob man nicht zur Republik zurückkehren solle; daneben wurde erwogen, ob man nicht das Prinzipat zwar beibehalten, aber jedes Mal neu entscheiden und den jeweils Geeignetsten berufen solle, ohne Rücksicht auf familiäre Bindungen. Kaum aber war die Wahl der Prätorianer bekannt geworden, wurde Claudius trotz all seiner bekannten Schwächen selbstverständlich auch vom Senat zum princeps gemacht. Das Erstaunliche war: Eine nur schlechte Entscheidung war das nicht. Von seinen persönlichen Defekten abgesehen, entpuppte sich Claudius als einsichtsvoller Mann, über den man zwar immer noch gelegentlich lächeln konnte — so, wenn er etwas krause öffentliche Reden hielt —, der aber in vernünftiger und durchdachter Weise regierte. Hier kann der heutige Historiker nun wieder aufatmen, denn Claudius handelte in vielen Fällen aufgrund seiner breiten historischen Bildung und berief sich gelegentlich auch auf sie.
 
In den Beziehungen zur Außenwelt nahm Claudius die Politik des von ihm bewunderten Augustus wieder auf; als im Jahre 10 v. Chr. Geborener hatte er ihn natürlich noch ausgiebig kennen gelernt, und Augustus hatte sich positiv über Claudius' intellektuelle Kapazität geäußert. Claudius arrondierte das Reich und schuf insgesamt sechs neue Provinzen in den Randgegenden, so zwei in Mauretanien in Afrika, Noricum in den Alpen, Mösien und Thrakien südlich der Donau sowie Judäa; vor allem begann unter ihm nun ernsthaft die Eroberung Britanniens, dessen Südteil auf Dauer römischer Besitz wurde. Innerhalb des Reiches verfolgte Claudius eine gezielte Politik der Einbeziehung der Provinzialeliten durch Verleihung des römischen Bürgerrechts, wobei er nicht versäumte, diese Politik mit historischen Beispielen zu legitimieren; den Äduern wurde sogar das Recht verliehen, römische Ämter zu bekleiden.
 
Im Inneren stellte Claudius mit dem Senat wieder ein erträgliches Verhältnis her. Die Majestätsprozesse hörten sofort auf, andererseits sorgte er aber auch durch eine lectio senatus dafür, dass der Senatorenstand von unwürdigen Mitgliedern befreit wurde. Dem Ritterstand wandte er seine besondere Aufmerksamkeit zu; Ritter wurden jetzt zunehmend für die kaiserliche Verwaltung herangezogen, und es wurden die ersten Grundlagen einer geregelten ritterlichen Verwaltungslaufbahn gelegt. Diese Verwaltung war schon unter Augustus eingerichtet worden, und ihre Aufgaben waren vielgestaltig. Sie ergaben sich schon allein aus der Tatsache, dass der Kaiser die letzten Endes alles entscheidende Instanz war, sodass er aus dem ganzen Reich in Angelegenheiten aller Art angerufen wurde; sie ergaben sich auch daraus, dass er ein ungeheures Vermögen hatte, das zwar offiziell als Privatvermögen galt, wegen seines riesenhaften Umfanges aber doch faktisch öffentliches Vermögen war und verwaltet werden musste. Für diese Aufgaben wurden von Augustus gebildete Sklaven und Freigelassene herangezogen, meist griechischer Herkunft, und das war trotz allmählicher Verwendung von ritterständischen Funktionären auch unter Claudius der Fall. Diese Freigelassenen besaßen demzufolge erheblichen Einfluss, und vernünftige Maßnahmen des Claudius hatten in der Praxis ihre Herkunft in diesen Kreisen.
 
Claudius und seine Frauen
 
Claudius war in dritter Ehe mit Valeria Messalina verheiratet, einer Angehörigen eines alten, berühmten Geschlechtes, von der er eine Tochter Octavia und einen Sohn hatte, der schon mit zwei Jahren den Beinamen Britannicus bekam. Diese Messalina ist bis heute wegen geschlechtlicher Zügellosigkeit sprichwörtlich geworden. Abgesehen von der moralischen Demütigung des Kaisers hatte dieses Verhalten politische Auswirkungen. Zum einen soll Messalina vornehme Männer, die ihr nicht zu Willen waren oder auf deren Vermögen sie es abgesehen hatte, beim Kaiser angeschwärzt haben, sodass sie wegen erfundener politischer Verfehlungen unter Einziehung ihres Vermögens beseitigt wurden. Zum anderen führte sie durch ihre Triebhaftigkeit ihre eigene Katastrophe herbei, was Auswirkungen auf die Gesamtgeschichte hatte. Sie ging so weit, im Jahre 48 einen ihrer Geliebten, Gaius Silius, regulär zu heiraten, also in Bigamie zu leben, was auch deshalb für Claudius und seine Berater gefährlich war, weil Silius designierter Konsul war, sodass dieses skandalöse Verhalten eine unmittelbar politische Dimension bekam. Der immer noch schwankende Claudius wurde schließlich durch den Freigelassenen Narcissus, den Vorsteher der Kanzlei ab epistulis (Korrespondenzkanzlei), dazu bestimmt, den Hinrichtungsbefehl zu geben, und Silius und Messalina wurden umgebracht.
 
Jetzt war die Stunde Agrippinas der Jüngeren gekommen, einer Tochter des Germanicus und der Vipsania Agrippina, also einer Nichte des Claudius. Sie war schon zweimal verheiratet gewesen und hatte aus ihrer ersten Ehe mit Gnaeus Domitius Ahenobarbus einen Sohn Lucius. Sie hatte mit ihrer Mutter unter Tiberius gelitten, war dann auch von ihrem Bruder Caligula erneut verbannt worden und legte jetzt alles darauf an, selber in eine herrschende Stellung zu gelangen und ihren Sohn zum princeps zu machen. Nach Messalinas Tod heiratete sie 49 ihren Onkel Claudius, und die Rechnung ging auf. Sie erhielt schon zu Lebzeiten den Augustatitel, bekam volles Münzrecht, empfing ausländische Gesandte, kommandierte Truppenteile, wohnte (wenn auch hinter einem Vorhang) Senatssitzungen bei und wollte sogar Senat und Volk auf sich vereidigen lassen; im Jahre 50 wurde ihr Geburtsort Oppidum Ubiorum am Rhein durch Veteranenansiedlung zu einer römischen Kolonie erhoben und nach ihr und ihrer Mutter in Colonia Claudia Ara Agrippinensium umbenannt, woraus der Name Köln geworden ist. In diesem Jahr wurde ihr Sohn von Claudius adoptiert, er hieß jetzt nicht mehr Lucius Domitius Ahenobarbus, sondern offiziell Nero Claudius Caesar Drusus Germanicus. Er heiratete Octavia und wurde immer mehr dem Britannicus vorgezogen, dem leiblichen Sohn des Kaisers. Jetzt musste nur noch Claudius fallen, und das geschah 54: Claudius wurde durch ein Pilzgericht vergiftet, die Prätorianer riefen Nero zum imperator aus, und der Senat setzte ihn zum princeps ein.
 
Nero, der Exzentriker (54—68 n. Chr.)
 
Wer sich Porträtbüsten Neros ansieht, wird kaum auf die Idee kommen, in diesem aufgedunsenen, konturlosen Gesicht mit seinem Bartflaum, der griechisch aussehen sollte, einen jungen Mann zu erkennen, dessen Regierung nach der schon in der Antike herrschenden Ansicht die ersten fünf Jahre musterhaft gewesen war. Diese Qualität wird auf den Einfluss seiner Mutter und den der beiden Männer zurückgeführt, die Agrippina mit der Erziehung und Leitung ihres Sohnes betraut hatte. Agrippina war nämlich eine kluge und gebildete Frau, die auch eine Autobiographie geschrieben hat, deren Verlust sehr zu beklagen ist. Die beiden Männer waren der Prätorianerpräfekt Sextus Afranius Burrus und der aus der spanischen Römerstadt Italica stammende große Philosoph Lucius Annaeus Seneca.
 
Als erste Anzeichen dafür auftraten, dass Nero sich nicht mehr gängeln lassen wollte, und seine Mutter daher, um ihn unter Druck zu setzen, auf die Existenz des Britannicus wies, ließ Nero diesen schon zu Beginn des Jahres 55 vergiften, mit Billigung seiner beiden Erzieher. Die Spannungen zwischen ihm und seiner Mutter, die er als das empfand, was sie war, nämlich herrschsüchtig, endeten damit, dass er sie 59 durch eine düsterfeige Machination ermorden ließ. Zuerst sollte sie mit einem angebohrten Schiff ertrinken, aber als sie sich schwimmend an Land gerettet hatte, wurde sie auf konventionelle Weise durch einen centurio getötet. Seneca und Burrus zogen sich 62 zurück, Nero trennte sich von Octavia, die ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter eine zurückhaltende Frau war, und deshalb war es besonders perfide, dass Nero sie später unter dem Vorwurf des Ehebruchs töten ließ. Nero, dessen ständige Geliebte die Sklavin Acte war, heiratete dann die elegante und kluge Poppaea Sabina, die er dem Senator Marcus Salvius Otho ausspannte; Poppaea ist die berühmte Frau, die ihrer Schönheit durch Bäder in Eselsmilch nachhalf. Sie soll dadurch gestorben sein, dass Nero ihr 65 in schwangerem Zustand Fußtritte versetzt hatte.
 
Nero entwickelte sich nicht nur zu einer zügellosen und grausamen, sondern auch zu einer exzentrischen Figur. Er hielt sich nämlich für einen großen darstellenden Künstler, vor allem Sänger, und sah seinen Ehrgeiz darin, in dieser Eigenschaft, weniger in der des princeps, Beifall zu erringen. Wohlwollende Autoren wollen ihm heute zubilligen, dass er in diesem Fach tatsächlich einiges geleistet hat, aber abgesehen von der Unmöglichkeit, darüber Sicheres zu wissen, ist das völlig unerheblich gegenüber der Tatsache, dass er über diesen Bemühungen in peinlicher Weise seine Herrscherpflichten vernachlässigte. Natürlich erntete er ständig permanenten rauschenden Beifall, so, wenn er als Sänger zur Kithara auftrat, erst recht, als er 66 eine regelrechte Tournee nach Griechenland unternahm, die ein ganzes Jahr dauerte und bei der er von seinen Auftritten auf allen griechischen Festspielen insgesamt 1808 Siegeskränze einheimste.
 
Die Außen- und Innenpolitik Neros
 
Die außenpolitischen Probleme konzentrierten sich wie seit der Zeit der späten Republik um das Verhältnis zum Partherreich. Große politisch-militärische Verdienste erwarb sich dabei der bedeutendste Feldherr seiner Zeit, Gnaeus Domitius Corbulo, den Nero nach Erfolgen in Germanien auf den Rat von Burrus und Seneca mit Sondervollmachten im Osten eingesetzt hatte, der aber schließlich wegen Neros Eifersucht Selbstmord begehen musste, um nicht hingerichtet zu werden. Corbulo war aber nur einer unter vielen, die den neronischen Verfolgungen zum Opfer fielen. Die erste Massenverfolgung traf die Christen, deren Glauben so ganz von den üblichen religiösen Vorstellungen abwich und daher großes Befremden erregte. In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 64 brach ein riesiger Brand aus, der sechs Tage lang wütete und große Teile Roms verheerte. Obwohl Nero beim Volk beliebt war, verbreitete sich doch das bezeichnende Gerücht, er haben den Brand gelegt, um daraus künstlerische Inspiration zu gewinnen, und dieser Verdacht lebte wieder auf, als er auf verwüstetem Gelände einen prunkvollen Palast, seine »domus aurea«, sein »Goldenes Haus«, errichten ließ. Um das Gerücht zu unterbinden, beschuldigte Nero diese merkwürdige jüdische Sekte der Christen. Sie wurden zusammengetrieben und im Circus den wilden Tieren vorgeworfen; Petrus und Paulus sollen auf diese Weise den Märtyrertod erlitten haben.
 
Allmählich geriet der Senatorenstand in das Zentrum der Verfolgung. Die Majestätsprozesse nahmen immer mehr zu, eine Atmosphäre des Terrors breitete sich aus, die Vermögenskonfiskationen zugunsten der kaiserlichen Kasse erreichten ein ungeheures Ausmaß, und der übliche Mechanismus setzte auch hier ein: Wenn die Angst vor Verschwörungen den Tyrannen zu immer umfangreicheren Verfolgungsmaßnahmen veranlasst, wächst der Widerstand, und es treten tatsächlich Verschwörungen auf. Im Jahre 65 wurde Nero kurz vor der Verwirklichung ein umfangreiches Komplott verraten, das unter der Führung des Gaius Calpurnius Piso seine Ermordung vorsah. Untersuchungen enthüllten weit verzweigte Verbindungen, und unter denen, die hingerichtet wurden oder denen der Selbstmord erlaubt wurde, war auch Seneca.
 
Auf diese Pisonische Verschwörung folgte im Jahre 66 die des Annius Vinicianus, deren Unterdrückung dann auch Corbulo zum Opfer fiel. 68 aber glückte eine. Als Nero von seiner grotesken Griechenlandtournee zurückgekommen war, erfuhr er, dass sich Gaius Iulius Vindex, der Statthalter der Provinz Gallia Lugdunensis, gegen ihn erhoben hatte. Ihm schloss sich Galba, der Statthalter der Provinz Hispania Citerior an; es gab komplizierte Kämpfe mit anderen Heeresgruppen, in deren Verlauf Vindex zwar Selbstmord beging, der Aufstand gegen Nero hatte jedoch Erfolg. Der Senat setzte Nero ab und erklärte ihn zum Staatsfeind, sogar die Prätorianer sagten sich von ihm los, Galba wurde als neuer princeps eingesetzt. Nero kam einer Festnahme durch Selbstmord zuvor, nicht ohne den Tod eines so bedeutenden Künstlers, wie er einer sei, beklagt zu haben: »Welch ein Künstler geht mit mir zugrunde!« Damit war die julisch-claudische Dynastie ausgelöscht. Wir haben ihr Schicksal ausgiebig verfolgt, weil es in der politischen Geschichte wirklich auf den bestimmenden Faktor der Dynastie ankam. Es war eine unglaublich vitale Familie, die in tiefer Verderbtheit und in musterhafter Leistung einzigartig dasteht, die aber vor allem in ihrem Stammvater das römische Kaisertum dauerhaft begründet und damit den römischen Staat über die Zeiten gerettet hat.
 
 Das Vierkaiserjahr 68/69 n. Chr.
 
Welches Eigengewicht dieser Staat gewonnen hatte und wie verhältnismäßig irrelevant demgegenüber die psychopathischen Turbulenzen an der Staatsspitze waren, lehrt ein Blick auf diejenigen, die in dem jetzt beginnenden kurzen Bürgerkrieg um die Macht kämpften. Nicht, dass es überhaupt nicht darauf angekommen wäre, wer princeps war, im Gegenteil; aber wenn man sieht, welche überaus fähigen Persönlichkeiten an der Spitze von Armeen und Provinzen standen, dann relativieren sich nicht nur die Extravaganzen einer sich erschöpfenden Herrscherdynastie, sondern dann muss man die Prägekraft einer Armee und einer Staatsorganisation bewundern, die all diesen gefährlichen Peinlichkeiten zum Trotz in sich gefestigt war und sich weiter festigte.
 
Galba, Otho und Vitellius
 
An sich war Servius Sulpicius Galba, geboren 3 v. Chr., wie geschaffen für das Prinzipat. Aus einem republikanischen Geschlecht, das schon seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. hervorgetreten war, bekleidete er im Jahre 33 unter Tiberius das Konsulat, verwaltete mehrere Statthalterposten tüchtig und war ein ebenso erfolgreicher Befehlshaber, der auf strenge Disziplin hielt und am Rhein und in Britannien verantwortungsvolle Kommandos ausfüllte. Seit 60 war er legatus Augusti pro praetore in Spanien und ist durch all das ein Beispiel dafür, dass Effizienz und Pflichtbewusstsein auch unter unwürdigen Herrschern ihren Platz hatten. Dem Senat stellt es nach allem vorherigen Fehlverhalten ein gutes Zeugnis aus, dass er diesen Mann zum princeps bestellte. Aber: Galba wurde ermordet, sein Nachfolger Otho — jener Gatte der Poppaea Sabina — beging Selbstmord, und der Legat von Niedergermanien Aulus Vitellius, der von den rheinischen Legionen zum imperator gegen Galba ausgerufen worden war, rückte auf Rom und nahm es ein. Da meldete jemand Anspruch auf das Prinzipat an, der Tüchtigkeit mit politischer Klugheit verband und zum Glück obsiegte.
 
 
Titus Flavius Vespasianus, geboren 9 v. Chr., stammte aus einfachen Verhältnissen außerhalb Roms; sein Vater hatte zum Schluss ein kleines Bankgeschäft in Aventicum, heute Avenches in der Schweiz. Vespasian wurde Soldat, stieg in ruhig-zielstrebiger Weise auf und wechselte sogar durch zivile Ämter in den Senatorenstand über; im Jahr 39 hatte er die Prätur inne. Trotz despektierlichen Verhaltens gegenüber Neros Sangeskünsten — er entschlummerte einmal bei einem Konzert — wurde ihm 66 der Oberbefehl bei einem Aufstand übertragen, der in Judäa ausgebrochen war. Der Aufstand begann auf der Bergfestung Masada am Toten Meer und breitete sich schnell aus, Vespasian gelang es aber ohne allzu große Mühen, ihn stückweise einzudämmen. Dabei eroberte er auch den festen Platz Jotapata, der von einem Joseph befehligt worden war, der dann später als Josephus Flavius in griechischer Sprache diesen Krieg und die jüdische Geschichte schildern sollte; sein »Jüdischer Krieg« ist zum Klassiker geworden. Als Vespasian begann, Jerusalem zu belagern, wurde ihm das Prinzipat angetragen; Militärkommandeure hatten sich vorher auf ihn geeinigt. Gerade im Fall Vespasians muss gesagt werden, dass diese militärisch-zivile Elite von Staatsdienern ein ausgezeichnetes Urteil bewies.
 
Am 1. Juli 69 rief ihn der Statthalter von Ägypten, Tiberius Iulius Alexander, zum princeps aus, die Heeresgruppen in Judäa, Syrien und im gesamten Donauraum folgten, und dortige Einheiten waren es, die für ihn auf Rom marschierten. Dort war Vespasians Bruder Flavius Sabinus Stadtpräfekt; er wurde von den Truppen des Vitellius auf dem Kapitol eingeschlossen und bei dessen Erstürmung getötet, das Kapitol ging in Flammen auf, nur Titus Flavius Domitianus, Vespasians 18-jähriger Sohn, konnte sich retten. Am 20. Dezember rückten die Vespasianer in die Stadt ein, Vitellius wurde auf dem Forum erschlagen, und am 22. Dezember 69 setzte der Senat Vespasian zum princeps ein. Ihm wurden die Kernkompetenzen des imperium proconsulare und der tribunicia potestas sowie zahlreiche weitere Kompetenzen und Ehrungen verliehen, und wir sind deshalb so genau darüber unterrichtet, weil ein Teil dieses Beschlusses inschriftlich erhalten ist, es ist die lex de imperio Vespasiani. Vespasian kam erst im Sommer 70 nach Rom.
 
Der Bürgerkrieg war zu Ende. Er hatte die letztinstanzliche Grundlage des Prinzipats allen deutlich vor Augen geführt, nämlich das Heer. Er hatte aber auch gezeigt, dass diese Grundlage wirklich nur letztinstanzlich war, sich nur in Ausnahmesituationen enthüllte und unmittelbar für den Normalzustand nicht taugte. Ebenfalls wurde ganz deutlich, dass diese Grundlage nicht in Konkurrenz zu anderen Verfassungsvorstellungen stand, dass also das Prinzipat sich vermittels des Heeres nicht gegen republikanische Konzepte durchzusetzen hatte, sondern dass alle Kämpfe in seinem Rahmen stattfanden. Und er hatte, als wichtigste Erkenntnis, gezeigt, dass die schlichte Kennzeichnung des Heeres als alleinige Grundlage deshalb viel zu kurz greift, weil dessen Kommandeure meist auch als Statthalter eine auch zivil und politisch kompetente Reichselite darstellten und daher eher sie als diejenigen zu bezeichnen sind, die jetzt den entscheidenden Machtfaktor darstellten.
 
 Die flavische Dynastie (69—96 n. Chr.)
 
Bäuerlich-verschmitzt sah Vespasian aus, und so war er auch; viele Anekdoten illustrieren Maßnahmen, die seine Sparsamkeit und seinen gesunden Menschenverstand betreffen, und auf ihn geht die Redensart zurück: »Geld stinkt nicht« (non olet). Er restaurierte oder baute nach dem Bürgerkrieg sofort die Gebäude auf dem Kapitol wieder auf, zu denen auch der bedeutendste Tempel der römischen Staatsreligion zählte, nämlich der des Iuppiter Capitolinus, er errichtete zahlreiche Nutzbauten, aber auch das riesige Amphitheatrum Flavium in Rom, das heute Kolosseum genannt wird, zur Unterhaltung der hauptstädtischen Bevölkerung. Mit dem Senat stand der Kaiser wieder gut, es gab eine einzige Hinrichtung aus politischen Gründen, die nicht unprovoziert geschah und die Vespasian später bedauerte. Wie Augustus sorgte er nun auch planmäßig dafür, dass der Senat durch tüchtige Männer aufgefüllt wurde. Nicht wenige von denen, die in späteren Jahrzehnten durch besondere Leistungen hervortraten, stammten aus Familien, die durch Vespasian an die Spitze gekommen waren.
 
Vespasian organisierte das Heer neu, und höchst bemerkenswert ist nicht nur, dass er die überdimensionierte und auch deshalb gefährliche Prätorianergarde verkleinerte, sondern auch, dass sie sich das gefallen ließ. Wie im Inneren, so betrieb er auch im Reich eine vorausschauende, wohl durchdachte, fast hausväterliche Politik. Er organisierte zahlreiche Provinzen nach praktischen Gesichtspunkten neu, so etwa kam das Duodezkönigreich Kommagene an Syrien, das einer heutigen Öffentlichkeit durch seine überlebensgroßen Skulpturen auf dem Nemrut Dağɪ bekannt ist. Besonders hervorzuheben ist, dass er ganz Spanien das latinische Recht verlieh, also die an seine Zeit angepasste Variante des Rechts, mit dem die Römer der hohen Republik ihre Kolonien im italischen Ausland ausgestattet und sie so zu Bollwerken des römischen Staates gemacht hatten.
 
Vespasian wäre aber kein Soldat und kein antiker Mensch gewesen, wenn er nicht auch größte Härte bis zur Brutalität dort gezeigt hätte, wo die Macht gefährdet war. Der Bataveraufstand am Niederrhein unter Iulius Civilis, der noch aus den Wirren des Vierkaiserjahres herrührte und sich weiter ausgebreitet hatte, wurde vollständig niedergeworfen, und ebenso ging es beim jüdischen Aufstand zu, bei dessen Bekämpfung ihn die Wirren um die Nachfolge Neros unterbrochen hatten. Sein Sohn Titus machte dem ein Ende und eroberte im Herbst 70 Jerusalem unter gewaltigen Opfern auf beiden Seiten. Der Tempel, der nach seiner Entweihung durch Antiochos IV. von den Makkabäern wiederhergestellt worden war, wurde nun erobert und zerstört, die heiligen Geräte wurden im darauf folgenden Jahr im Triumphzug in Rom mitgeführt, der auf einem Relief des Titusbogens auf dem Forum Romanum dargestellt ist. Auf einem der großen Relieffelder auf der Innenseite des Bogens kann man heute noch die silbernen Trompeten und den siebenarmigen Leuchter sehen; auch der Bau des Kolosseums wurde aus der jüdischen Beute finanziert. Noch zweieinhalb Jahre hielten sich die letzten jüdischen Aufständischen in der Bergfeste Masada, und erst, als die Römer über eine — heute ausgegrabene — gewaltige Rampe anrückten, töteten sich die letzten Verteidiger selbst.
 
Titus (79—81 n. Chr.)
 
Vorausschauend und mit sicherer Hand regelte Vespasian auch die Nachfolge. Er hatte gegenüber seinen Vorgängern und gegenüber anderen auch in Betracht gezogenen Kandidaten für das Prinzipat den großen Vorteil, zwei fähige Söhne zu haben, und dass deren Nachfolge die bare Selbstverständlichkeit war, zeigt abermals, dass es sich beim Prinzipat um eine Monarchie handelte. Titus, 39 geboren und zusammen mit Claudius' Sohn Britannicus erzogen, der Eroberer und Zerstörer Jerusalems, muss persönlich ein Mann großen Charismas gewesen sein, »das Entzücken des Menschengeschlechts« wurde er genannt; das war einzigartig und kann daher nicht als billige Schmeichelei interpretiert werden. Er bekam bald nach dem Regierungsantritt seines Vaters das imperium proconsulare und die tribunicia potestas sowie den zusätzlichen Namen Caesar. Schon Galba hatte kurzfristig einen Lucius Calpurnius Piso zum Mitregenten gemacht und ihn Caesar genannt, sodass man sieht, dass hier ein Titel im Entstehen war, der einen Mitkaiser zweiten Ranges bezeichnete. Auffällig ist, dass Vespasian Titus auch zum Prätorianerpräfekten machte, obwohl das ein ritterständischer Posten war, aber der Kaiser sah sehr gut, welch unerwünschtes Machtzentrum diese Position werden konnte. Skandalöse Frauengeschichten gab es bei Titus nicht. Bevor sein Vater zum princeps aufstieg, war die jüdische Königin Berenike seine Geliebte — ein etwas beunruhigender Tatbestand angesichts des Krieges gegen die Juden —, aber als er sie dann zu seiner legitimen Ehefrau machen wollte, gab er dem öffentlichen Widerstand dagegen nach und verzichtete.
 
Vespasian starb 79, Titus schon 81; in seine kurze Regierungszeit fiel der Vesuvausbruch vom 24. August 79.
 
Domitian, ein Autokrat (81—96 n. Chr.)
 
Mit dem Regiment Domitians, des Bruders des Titus, änderte sich einiges. Die Bewertung von dessen Herrschaft ist des- halb schwierig, weil die Forschung das Bestreben hatte, sich von dem düsteren Bild, das Tacitus in seinen »Historiae« (»Historien«) zeichnete, freizumachen. Man bemerkte, dass Tacitus nicht unvoreingenommen schrieb, und rückte demgegenüber die sachlichen Leistungen des Kaisers in den Vordergrund. — Zunächst einmal geschah die Nachfolge problemlos; Titus, der keinen Sohn hatte, hatte Domitian gleich nach seinem eigenen Regierungsantritt zum Mitkaiser gemacht und damit zum Nachfolger designiert, und der Senat legitimierte sofort nach Titus' Tod Domitians Ausrufung zum Kaiser durch die Prätorianer. Tatsache, und keine böswillige Verzerrung, ist nun, dass Domitian alsbald den Autokraten herauskehrte. Er erschien im roten Gewand des Triumphators im Senat, er ließ 24 Liktoren vor sich hergehen, und er ließ sich dominus et deus (Herr und Gott) anreden, allerdings nicht göttlich verehren. Ständig bekleidete er das Konsulat, und seine absolute Gewalt über die Senatoren zeigte sich darin, dass er ab 85 Zensor auf Lebenszeit wurde (censor perpetuus).
 
Sonst war Domitian ein sachlicher Politiker, energisch und tüchtig. Was die Außenpolitik betraf, oder besser die Militärpolitik an den gefährdeten Grenzen des Reiches, hat er nicht Unbedeutendes geleistet. In Britannien, wo die römische Eroberung seit Claudius stetig weitergegangen war, standen die Römer allmählich in Nordengland und Schottland, und insbesondere der schon 77 eingesetzte, aber von Domitian belassene und geförderte Statthalter Gnaeus Iulius Agricola hatte dabei große Verdienste. Unter ihm wurde die Nordspitze Schottlands umschifft, was zeigte, dass Britannien eine Insel war, und dass Domitian später den Agricola abberief, dürfte durchaus sachliche Gründe gehabt haben. Angesichts wichtigerer Herausforderungen mussten die militärischen Energien nämlich anderswo zusammengezogen werden. Das war einmal in Germanien. Wohl 89 wurden die bisherigen Heeresabschnitte Ober- und Niedergermanien in reguläre Provinzen umgewandelt, und Domitian drang an Lahn und Dill erstmals wieder gegen einen germanischen Stamm, die Chatten, vor und begann, die Grenze militärisch zu sichern. Weiter östlich mussten die Einfälle der Daker abgewehrt werden. Die Daker waren ein thrakischer Volksstamm, der auf dem Gebiet des heutigen Siebenbürgen lebte, eine Spielart der weiter östlich wohnenden Geten. Die Daker unternahmen nicht nur ab 85/86 Einfälle in römisches Gebiet, sie waren auch dabei, unter ihrem dynamischen König Decebalus ein mächtiges Reich zu bilden, das Rom gefährlich werden konnte. In seinen Kriegen gegen die Daker gelang es Domitian immerhin, diese vorläufig ruhig zu stellen.
 
In der inneren Verwaltung setzte Domitian die Linie von Vater und Bruder fort. Generell wurde darauf geachtet, dass die zivile und militärische Elite aus sachlich fähigen Männern bestand. Die Verwaltung seines privaten Bereiches ging zunehmend von Freigelassenen auf Angehörige des Ritterstandes über. Domitian überwachte die Beamten intensiv und ging streng gegen Amtsmissbräuche vor. Die Opposition gegen ihn nahm allerdings zu. Ursachen dafür waren gewiss seine Strenge, großenteils auch sein sonstiges herrisches Auftreten und die harte Hand, mit der er den Senat im Griff hielt. Zudem brauchte er wegen allzu großer Freigebigkeit Geld, und das konnte er durch Konfiskationen bei verurteilten Senatoren bekommen. So schaukelte sich die gegenseitige Animosität hoch, es kam zu Verfolgungen wie unter Caligula und Nero.
 
Domitians Abneigung richtete sich später auch gegen Intellektuelle, also Philosophen, Redner und Schriftsteller, und sie ging so weit, dass er sie aus Italien verbannte. So erklärt sich zum Teil, warum über ihn so abwertend berichtet wird, weiter dadurch, dass er, je länger er regierte, den Senat immer heftiger und unberechenbarer verfolgte. Trotz seiner Leistungen hat Domitians negative Bewertung durch Tacitus, von der sich die althistorische Forschung lange distanziert hatte, jedoch wieder Vertreter gefunden. Was man nämlich in wohlwollender Gesinnung nicht berücksichtigt hatte, weil man es nicht kannte und es sich nicht vorstellen konnte, war die Atmosphäre der lähmenden Angst, die das gesamte Dasein der römischen Oberschicht durchdrungen hatte. Daher war es erst unserem Jahrhundert vorbehalten, in der Schilderung der Herrschaft Domitians durch Tacitus nicht nur parteiliche Übertreibung zu entdecken, sondern zu bemerken, dass hier eine Situation unter totalitärer Herrschaft unverwechselbar geschildert wird; insbesondere in der Sowjetunion las man Tacitus wie einen zeitgenössischen Autor. — An der Ermordung Domitians am 18. September 96 nahmen sogar auch seine Frau teil, Ritter und Freigelassene, aber auch die Prätorianerpräfekten und schließlich auch Senatoren. Noch am Tag des Tyrannenmordes wurde ein kinderloser Senator von siebzig Jahren, Marcus Cocceius Nerva, vom Senat zum neuen princeps bestimmt. Es war eine ausgezeichnete, zukunftsweisende Wahl.
 
Nerva stellt das Kaisertum auf neue Weichen (96—98 n. Chr.)
 
Dass als Erster der nun folgenden Kaiser ein kinderloser Mann ausgewählt wurde, war möglicherweise Absicht derer, die ihn zum Kaiser machten. Schließlich hatte Rom mit leiblichen Abkömmlingen regierender Kaiser sehr schlechte Erfahrungen gemacht, und vielleicht ist es auch Absicht gewesen, dass Nerva einen ebenfalls kinderlosen Senator adoptierte und ihn dadurch zum Nachfolger designierte, dass er ihm den Titel Caesar verlieh und ihm das imperium proconsulare und die tribunicia potestas übertragen ließ. Dieser, Marcus Ulpius Traianus, tat das dann später ebenfalls, und weil das noch eine Weile so weiterging, hat man diese Herrscherdynastie die der Adoptivkaiser genannt. Diese Bezeichnung ist deshalb schief, weil der Gedanke der Erbmonarchie, bei der leibliche Söhne die Nachfolge antreten sollten, immer noch der vorherrschende war und jedenfalls die Kaiser nur deshalb adoptierten, weil ihnen leibliche Kinder versagt waren; der Letzte in dieser Reihe, Marcus Aurelius, hatte einen Sohn Commodus, der dann selbstverständlich die Nachfolge antrat, und sofort brach wieder die bekannte Herrschaftskrise aus. Trotzdem ist es natürlich eindrucksvoll, wie es gelang, etwa über ein ganzes Jahrhundert durch Adoption das Ideal des Prinzipats Wirklichkeit werden zu lassen, das darin bestand, jeweils den Geeignetsten zum princeps zu machen. Nerva, der nur 16 Monate regierte, hatte damit den Anfang gemacht, und wenn die Adoption Trajans möglicherweise ein innenpolitischer Schachzug gewesen sein sollte, der Nerva aus einer schwierigen Situation rettete, so muss gesagt werden, dass es eben ein Schachzug höchster Qualität und weit reichender Bedeutung war, der allein schon Nerva an einen Ehrenplatz in der römischen Geschichte stellt.
 
Trajan, der »optimus princeps« (98—117 n. Chr.)
 
Trajan trat im Oktober 98 sein Amt an. Er stammte aus der spanischen Stadt Italica; wenn aber gelegentlich hervorgehoben wird, dass es mit ihm ein Spanier bis zum princeps gebracht habe, so muss man sich vor einem Missverständnis hüten. Selbstverständlich war Trajan kein allenfalls romanisierter Provinziale, sondern ein Römer; Italica ist als römische Gründung bis in die Zeit des älteren Scipio Africanus zurückzuverfolgen. Auch Trajan hatte unter Domitian Karriere gemacht, war 91 Konsul gewesen, und die Nachricht von seiner Erhebung erreichte ihn in Köln, das zu dieser Zeit noch Colonia Claudia Ara Agrippinensium genannt wurde, wo er als Statthalter Obergermaniens stationiert war. Typisch für diesen jetzt 45-jährigen selbstbewussten Soldaten war schon, wie er auf die Ernennung durch den Senat reagierte. Er eilte nicht beflissen oder beseligt nach Rom, sondern er blieb zunächst an der germanischen Grenze, um die letzten Maßnahmen zu ihrer Konsolidierung zu treffen. Auch danach betätigte er sich aus demselben Grund noch an der Donaugrenze und traf erst ein Jahr nach seiner Ernennung in Rom ein. Soldat, auch der äußeren Erscheinung nach, ist Trajan geblieben, und seine Herrschaft drückt sich in ganz besonderem Maße durch militärische Tätigkeit, ja durch große Eroberungen aus, die dem Römischen Reich seit Augustus im Großen und Ganzen fremd geworden waren.
 
Trajan hatte eine lange Laufbahn als Feldherr, Statthalter und Organisator der römischen Armee hinter sich, als er princeps wurde, und der gewissenhafte Abschluss der Herrschaftssicherungsmaßnahmen in Germanien unterstreicht diesen Wesenszug; wir finden ihn auch bei den folgenden militärischen Unternehmungen wieder. Zunächst unterwarf er 101 bis 106 in zwei groß angelegten Feldzügen Dakien, also das im Karpatenbogen liegende Siebenbürgen; König Decebalus gab sich selbst den Tod, eine neue römische Provinz Dacia wurde gegründet. Die militärischen und organisatorischen Sicherungsmaßnahmen einschließlich eines Ansiedlungsprogramms, die auf die gesamten Donauprovinzen ausgedehnt wurden, bedeuteten die komplette Romanisierung dieses Gebietes. Trajan ist heute noch (oder wieder) ein häufiger rumänischer Vorname.
 
Kaum waren die Daker besiegt, wurde das nabatäische Klientelkönigreich mit der Hauptstadt Petra — bekannt mindestens durch Agatha Christies Buch »Appointment with death« — nach Thronwirren 106 als Provinz Arabia an das Reich angeschlossen, und als im Klientelstaat Armenien ebenfalls Thronfolgestreitigkeiten ausbrachen und die Parther eingriffen, zog Trajan 113 in den Partherkrieg. Wenngleich eine dauerhafte Lösung nicht erreicht wurde, so war Trajan doch der Römer, der den Parthern gegenüber die größten Erfolge aufzuweisen hatte. Er drang tief nach Mesopotamien ein, die Provinzen Armenia und Assyria wurden eingerichtet, und trotz gewichtiger Rückschläge war nicht abzusehen, wie die römische Macht weiter ausgedehnt und stabilisiert werden konnte, wenn nicht zwei Ereignisse den Abbruch hervorgerufen hätten. Erstens brach 115 im Vorderen Orient von Kyrene bis Zypern ein riesiger jüdischer Aufstand aus, der von beiden Seiten grausam geführt wurde und nur mit Mühe unterdrückt werden konnte. Und zweitens starb Trajan 117 im kleinasiatischen Selinus.
 
Seine Innenpolitik brachte Trajan von den Zeitgenossen die Ehrenbezeichnung optimus princeps (bester princeps) ein, weil er das Idealbild des princeps in der Wirklichkeit verkörperte. Dieses sah den Kaiser als einen Senator, der neben außergewöhnlicher militärischer und administrativer Tüchtigkeit auch die Fähigkeit aufbrachte, den Senat als gleichberechtigten Partner zu behandeln, und im Übrigen als jemanden, der zweckmäßig, ohne monarchisches Gehabe regierte, mit einem etwas anachronistischen Wort: als aufgeklärten Fürsten. Und so war es unter Trajan. Das Verhältnis zum Senat war unter ihm wieder dauerhaft entspannt.
 
Majestätsprozesse gab es nicht mehr, und Trajans Reverenz gegenüber diesem Gremium und seinen republikanischen Traditionen ging so weit, dass er seinen Amtseid stehend vor dem sitzenden Konsul ablegte. Nun war der Senat nicht mehr ein Gremium, das aus eigener Leistung entstanden war, sondern das auch in seiner Zusammensetzung völlig vom Kaiser abhängig war, und demgemäß setzte sich dem Kaiser gegenüber die Anrede dominus (Herr) im emphatischen Sinne durch; auf der anderen Seite verflachte sie doch wieder, sodass aus ihr das spanische Don, das portugiesische Dom und das rumänische Domnul entstehen konnten. Am besten erkennen wir die Art, in der Trajan mit der Senatsaristokratie umging, im zehnten Buch des Briefwechsels des jüngeren Plinius. Während Plinius als Statthalter der Provinz Bithynien und Pontus den Kaiser in überaus elaborierten und ehrfurchtsvollen Briefen um Instruktionen für die verschiedensten Sachverhalte bat, sind die Antwortbriefe des Kaisers — seiner Kanzlei natürlich, aber er setzte den stilistischen Maßstab — knapp und streng auf die Sache beschränkt.
 
Von den zahlreichen Baumaßnahmen im ganzen Reich sei das riesige Trajansforum in Rom genannt, das zahlreiche Nutzbauten umfasste, darunter zwei öffentliche Bibliotheken sowie die Trajanssäule mit ihrem Reliefband mit der Darstellung der Dakerkriege. In ihr wurde die Asche des Kaisers beigesetzt. Die Donaubrücke am Eisernen Tor war nicht nur ein gewaltiges technisches Wunderwerk, sondern verkörpert auch durch seinen Architekten Apollodoros von Damaskos die riesigen, internationalen Dimensionen des römischen Weltreichs. Die Dakerkriege hatten eine ungeheure Beute erbracht, die zum Teil in überaus teuren Spielen, aber auch wirtschaftlich nutzbringend angelegt wurde. Unter anderem führte Trajan die von Nerva begründeten Alimentarstiftungen tatkräftig fort, durch die italischen Bauern billige Kredite gewährt wurden und deren Zinsen zur Versorgung Bedürftiger verwandt wurden. Italien wurde überhaupt besonders gefördert, was allerdings auch hieß, dass Italien einer besonderen Förderung bedurfte. Auch sonst zeigte sich ein merkwürdiges Doppelgesicht der wirtschaftlichen und zivilisatorischen Entwicklung. Das weitaus dominierende Charakteristikum der Regierung Trajans war zwar der weitere große Aufschwung, den das wirtschaftliche Leben des Reiches nahm — überall blühten die Städte, neue wurden gegründet, bestehende dehnten sich aus. Gleichzeitig stießen manche von ihnen aber auch an ihre wirtschaftlichen Grenzen und waren genötigt, vom Kaiser Unterstützung zu erbitten. Das war für die antike Mittelmeerwelt, die ja von der Vitalität ihrer untersten Einheit, der Stadt, lebte, ein beunruhigendes Zeichen. Aber zunächst und noch für lange Zeit herrschte ungestörter Friede, und das Reich blühte.
 
Hadrian, ein Feldherr und Schöngeist (117—138 n. Chr.)
 
Im allgemeinen Bewusstsein der Neuzeit ist das Bild, das man sich von Trajans Nachfolger, seinem Neffen Publius Aelius Hadrianus, machte, nicht immer der Gefahr der Verkitschung entgangen. Hadrian selber lieferte natürlich Anlässe für diese Vorstellungen. Seine Liebe zum Griechentum, die ihn sogar einen Vollbart, den griechischen Philosophenbart, tragen ließ, erweckte den Eindruck der Weichlichkeit, und der weltweite Kult, den er mit seinem im Nil ertrunkenen Geliebten Antinoos treiben ließ, dessen jugendlich-melancholische Gestalt heute noch in Skulpturen zahlreicher Museen zu sehen ist, ruft für den modernen Betrachter nicht gerade den Eindruck einer energisch-zupackenden Persönlichkeit hervor. Nimmt man noch seine riesige verspielte Villenanlage in Tivoli hinzu, dann glaubt jeder, das ihm zugeschriebene Verslein »animula, vagula, blandula« (Seelchen, schweifendes, schmeichelndes) gebe seinen Charakter vollständig wieder. Welch ein Irrtum! Richtig ist, dass Hadrian ein großer Griechenfreund war, auch auf Griechisch dichtete und viel für die griechische Kultur getan hat. Auch war er durchaus ein Schöngeist, umfassend gebildet und kenntnisreich, und seine ungewöhnlich intensive Reiselust führte ihn an alle Stätten der griechisch-römischen Zivilisation, die er aus kulturhistorischem Interesse aufsuchte, und das war für einen römischen Kaiser schon etwas Besonderes.
 
Hadrian war es auch, der der Stadt Athen endlich die Fertigstellung des Olympieions, des Tempels des olympischen Zeus, und dazu einen neuen Stadtteil geschenkt hat, die Hadriansstadt; zu ihr führt heute noch das Hadrianstor; gegenüber dem Römischen Markt ließ er die Hadriansbibliothek erbauen. Hier zeigt sich schon, dass er kein passiver Genießer mit einem schweifenden Seelchen, sondern ein zupackender Mann war, der aus seiner Bildung konkrete Schlüsse zog. Diese Charaktereigenschaft erwies sich auch in der Politik, die er nach Herrschaftsantritt verfolgte, und zwar paradoxerweise gerade darin, dass er die kostspielige und nur halb geglückte Eroberungspolitik Trajans abbrach und zum Teil rückgängig machte. Dieser Kurswechsel zeugte nämlich nicht nur von Einsicht, sondern auch von energischem Durchsetzungsvermögen, denn Trajans Generäle waren nicht damit einverstanden, und ihre Opposition musste gewaltsam zum Schweigen gebracht werden.
 
Hadrian war auch seinerseits ein tüchtiger und umsichtiger Feldherr, der die Armee neu organisierte und insbesondere die soldatische Disziplin durch Strafen, Belohnungen und sogar durch einen neuen Kult der disciplina militaris wieder stabilisierte. Er führte eine neue Waffengattung nach persischem Vorbild ein, die schwere Reiterei der Kataphrakten, und unter ihm wurden die barbarischen Hilfstruppen unter der Bezeichnung numeri neu organisiert. Die militärische Sicherung der Reichsgrenzen wurde stationär: Hadrian ging dazu über, die örtlich ausgehobenen Truppen nicht mehr in andere Reichsteile zu verlegen, sondern an Ort und Stelle einzusetzen, und unter ihm wurden die Grenzen zu einem festen Verteidigungssystem ausgebaut, dem Limes, wie wir ihn heute vor allem im Bewusstsein haben; der Hadrianswall in Britannien ist das berühmteste Beispiel.
 
Hadrians Reichspolitik bestand im weiteren Ausbau des Städtewesens, so ist das anderthalb Jahrhunderte später welthistorisch gewordene Hadrianopolis (Adrianopel, heute Edirne) seine Gründung. Eine andere Gründung führte aber schon zu Hadrians Lebzeiten zu bedeutenden Konsequenzen. 130 gründete er in Jerusalem die Colonia Aelia Capitolina und ließ an der Stelle des alten Jahwetempels einen Tempel für Iuppiter Capitolinus, den kapitolinischen Jupiter, errichten. Das führte zum letzten jüdischen Aufstand der Antike, unter Bar Kochba (»Sternensohn«), der von 132 bis 135 dauerte; an dessen Ende wurde Jerusalem zerstört, und die Juden gingen endgültig in die Diaspora. Schließlich wirkte Hadrian auch in der inneren Organisation des Reiches zusammenfassend und abschließend. Unter ihm wurde das System der kaiserlichen Ländereien planmäßig durchorganisiert, indem er das Land an freie Bauern verpachten ließ, die Kolonen (coloni); die Verpachtung wurde von Mittelsmännern durchgeführt, den Konduktoren (conductores). Diese organisatorische Maßnahme prägte die Landwirtschaft insbesondere in der Spätantike deutlich. Die Personalstruktur der Verwaltung wurde durchorganisiert, indem jetzt endgültig und durchgängig juristisch ausgebildete Ritter eingesetzt wurden, mit abgestuften Rängen, unterschiedlichen Gehältern und festgelegten Beförderungsregeln. Hadrians Beraterstab wurde als consilium principis als feste Instanz organisiert. Ein Schlussstrich wurde unter die Entwicklung des römischen Rechts gezogen. Hadrian beendete die seit den Anfängen des Staates bestehende Rechtssetzungsbefugnis der Prätoren und beauftragte den Juristen Publius Salvius Iulianus, das über viele Jahrhunderte hin entwickelte »Prätorische Edikt« festzuschreiben und zu kommentieren, das edictum perpetuum. In dieser Gestalt ist es dann weiter tradiert worden.
 
Hadrian starb 138 und wurde in dem von ihm errichteten Mausoleum in Rom beigesetzt, das heute als Engelsburg berühmt ist.
 
Antoninus Pius (138—161 n. Chr.) und Mark Aurel (161—180 n. Chr.)
 
Hadrians Nachfolger wurde nach komplizierten Adoptionsverfahren der reiche Senator Antoninus, der wegen der von ihm durchgesetzten Vergöttlichung Hadrians den Beinamen Pius erhielt. Er regierte bis 161, und wenn man den Ausspruch des Perikles, diejenige Frau sei die beste, von der man am wenigsten spreche, übertragen darf, dann war die Regierung des Antoninus Pius die beste, die Rom hatte, denn von seinen immerhin 22 Herrscherjahren weiß man sehr wenig. Das liegt nicht an einer besonderen Kargheit der Quellen, sondern diese Kargheit ist ihrerseits zum Teil dadurch verursacht, dass nichts Spektakuläres zu berichten war, weder im besonders Guten noch im besonders Bösen. Nicht zu Unrecht ist daher diese Ära immer als die friedlichste der römischen Geschichte angesehen worden, und für wen halkyonische Ruhe und müde Leidenschaftslosigkeit das Ideal darstellt, der wird sich wünschen, unter Antoninus Pius gelebt zu haben. Natürlich hat es kleinere Kriege und Aufstände gegeben, und immerhin hat der Kaiser das Limessystem in Germanien weiter ausgebaut, auch territorial, und er hat die römische Grenze in Britannien 120 km nach Norden verlegt und an der schmalsten Stelle der Insel den allerdings nur kurzlebigen Antoninuswall errichtet. Unter seinem Adoptivsohn und Nachfolger Marcus Aurelius wurde es dann wieder interessanter, wegen äußerer Ereignisse und wegen der Persönlichkeit dieses Kaisers, der bei uns Mark Aurel genannt wird.
 
Das Schicksal Mark Aurels waren die Germanen- und Sarmatenkriege, die ersten Vorboten eines Völkersturms, der später zum Ende des Reiches beitragen sollte. Markomannen, Quaden und Jazygen drängten neben zahlreichen anderen Barbaren im Donauraum unablässig gegen die Grenzen, und der Kaiser hat die meiste Zeit seiner Regierung dort im Feldlager verbracht; die Mark-Aurel-Säule auf der Piazza Montecitorio in Rom, vor dem heutigen italienischen Parlament, schildert in Parallele zur Trajanssäule diese Kämpfe. Es gelang eine Eindämmung, und im Osten gelang sogar ein Zurückdrängen des Partherreiches, mit dem der Krieg wieder aufgeflammt war. Am berühmtesten freilich ist der Kaiser durch das Buch geworden, das er geschrieben hat, die »Selbstbetrachtungen«. Es sind tatsächlich Selbstgespräche, zum Teil tagebuchartigen Charakters, im Feldlager unter schlimmen äußeren Bedingungen aufgezeichnet.
 
Mark Aurel war der letzte der Adoptivkaiser und gleichzeitig der letzte Kaiser, der das humanitäre Kaisertum vertrat.
 
Die severische Dynastie (193 - 235 n. Chr.)
 
Der Nachfolger des letzten Vertreters des humanitären Kaisertums war der leibliche Sohn von Mark Aurel, Commodus, und sofort trat das ein, was längst überwunden schien, nämlich eine Tyrannenherrschaft alten Stils. Commodus, der aus rein dynastischen Gründen ohne Mitwirkung des Senats Kaiser wurde, war ein grober Kerl, der am liebsten Gladiator geworden wäre und sich als Herkules mit der Keule abbilden ließ. Mit dem Senat lebte er auf Kriegsfuß, zahlreiche Senatoren wurden wie in den schlimmsten Zeiten des 1. Jahrhunderts hingerichtet, und da Commodus überall Verschwörungen witterte und grausam gegen sie vorging, so rief er durch dieses Verhalten wieder das hervor, was er bekämpfen wollte, nämlich Verschwörungen. Am letzten Tag des Jahres 192 gelang die letzte Verschwörung, Commodus wurde ermordet. Die Verschwörer erhoben den tüchtigen, militärisch bewanderten Pertinax zum Kaiser, und der Senat erkannte ihn an, weil er die Gewähr bot, wieder im Einklang mit seinem Stand zu regieren. Aber wie im Jahr 68/69 brachen jetzt zwischen den einzelnen Heeresgruppen Kämpfe aus, die den jeweiligen Oberkommandierenden zum Kaiser machen wollten.
 
Der Legat Pannoniens war der Sieger, Lucius Septimius Severus. Trotz der Ähnlichkeit im äußeren Verlauf hatte sich seit dem letzten Kampf um den Kaiserthron 68/69 Entscheidendes verändert. Zum einen war die Rolle der Soldaten jetzt überdeutlich geworden. Schon früher wurde ihre Loyalität durch hohe Sonderzahlungen, Donative, erkauft, aber jetzt gehörten diese Bestechungssummen zum normalen Vorgang der Kaisererhebung; nicht umsonst erteilte Septimius Severus auf dem Totenbett seinen Söhnen den Rat, allein auf die Zahlungen an die Soldaten komme es an. Zum anderen zeigt die regionale und ethnische Herkunft der Prätendenten, wie sehr die Elite des römischen Kaiserreichs inzwischen aus dem ganzen Mittelmeergebiet rekrutiert wurde. Didius Iulianus, der nicht einmal drei Monate des Jahres 193 Kaiser war, und Pescennius Niger, der im April wie Septimius Severus zum Kaiser ausgerufen wurde, waren zwar Italiker, aber Clodius Albinus, ebenfalls im April erhoben, stammte aus dem nordafrikanischen Hadrumetum (heute Sousse in Tunesien), und den Vogel schoss der Sieger zusammen mit seiner Familie ab. Septimius Severus war aus Leptis Magna im heutigen Libyen und soll sein Leben lang mit punischem Akzent gesprochen haben - man stelle sich vor, ein römischer Kaiser mit dem Tonfall des alten Erzfeindes Roms! Freilich entstammte er einer seit langem romanisierten Senatorenfamilie, und das tat auch seine Frau, Iulia Domna aus Emesa, dem heutigen Homs in Syrien. Die Familie, aus der sie kam, war die des einheimischen Priesterkönigtums, die einen lolaken Sonnengott verehrte.
 
Die Politik des Severus nahm zwar auf den Senat nicht allzuviel Rücksicht, war aber nicht von besonderer Grausamkeit. Der ritterständische Prätorianerpräfekt (Gaius Fulvius) Plautianus, mit dessen Tochter der Kaisersohn Caracalla verheiratet wurde, wurde zwar übermächtig, schließlich aber doch auch gestürzt. Zudem bekam dieses Amt des Prätorianerpräfekten jetzt einen neuen Charakter dadurch, dass es auch hohe Juristen bekleideten, so Papinian, genauer Aemilius Papinianus, einer der größten Juristen der europäischen Geistesgeschichte. Tatkräftig konsolidierte der Kaiser das Reich. Er teilte mehrere große Provinzen in handhabbarere kleinere auf; er verlieh den Agglomerationen Ägyptens den Charakter von Städten, sodass sich dieses Land endlich der allgemeinen griechisch-römischen Infrastruktur anschließen konnte; er förderte auch sonst in Schwierigkeiten geratene Städte und baute in großem Stil - natürlich in seiner Heimatstadt Leptis Magna, aber auch in Rom. Zuletzt führte er an der Nordgrenze Britanniens Krieg und starb 211 in Eburacum, dem heutigen nordenglischen York.
 
Die Söhne des Septimius Severus, Caracalla und Geta, regierten zunächst zusammen, aber schon 212 ließ der brutale und größenwahnsinnige Caracalla seinen Bruder Geta umbringen, angeblich sogar im Schoß ihrer gemeinsamen Mutter Iulia Domna, wohin sich der zarte Geta geflüchtet hatte. Viele vermeintliche Gegner Caracallas wurden gleich mit umgebracht, darunter Papinian, der sich geweigert hatte, in einem juristischen Gutachten den Brudermord zu rechtfertigen. Caracalla ließ aus allen Darstellungen und Inschriften Porträt und Namen Getas entfernen, und die Museen der Welt sind voll von steinernen Zeugnissen, auf denen neben Caracalla eine leere Stelle ist, die das Andenken an Geta entgegen den Intentionen seines Bruders erst recht wach hält.
 
Mit Caracallas Namen ist eine Reform verbunden, die seine klugen Juristen entworfen haben, die »Constitutio Antoniniana« von 212, also das antoninische Gesetz, das seinen Namen von der fiktiven Abstammung der Severer von den Antoninen hat. Es verlieh mit Ausnahme einer heute nicht mehr genau zu bestimmenden Gruppe allen Reichsangehörigen das römische Bürgerrecht, zog also auch die rechtliche Konsequenz aus der Tatsache, dass das Mittelmeergebiet im Laufe der Kaiserzeit zu einer Einheit zusammengewachsen war. Mag der unmittelbare Anlass auch der gewesen sein, jetzt mehr Steuern erheben zu können, so ist dieser gesetzgeberische Akt doch mindestens von hoher symbolischer Bedeutung.
 
Sein Ende erlebte Caracalla 217 im Osten im Krieg gegen die Parther. Er wurde ermordet, aber sein Nachfolger, der Prätorianerpräfekt Macrinus, unterlag bald einem Großneffen Caracallas. Nach Caracallas Tod hatte seine Mutter, Iulia Domna, Selbstmord begangen, und das dürfte erst recht dazu beigetragen haben, im Heer die Stimmung gegen den neuen Kaiser zu schüren. Jedenfalls propagierte Iulia Domnas Schwester, Iulia Maesa, im Stammsitz der Familie Emesa das Gerücht, der junge Sonnenpriester Elagabal, der Sohn ihrer Tochter Iulia Soaemias, sei in Wirklichkeit der Sohn Caracallas, und das Ergebnis war dessen Ausrufung zum Kaiser im Jahre 218; Macrinus unterlag in einer Schlacht und wurde getötet.
 
Mit Elagabal begann das bizarrste Kapitel der bisherigen römischen Geschichte. Elagabal, latinisiert Heliogabalus, zog geschminkt und juwelenüberhangen in Rom ein, vor einem Wagen einhergehend, der einen schwarzen Meteoriten trug. Dieser Meteorit war der heilige Gegenstand, der den Sonnengott verkörperte, und Elagabal schritt rückwärts vor ihm her, um ihn immer im Auge behalten zu können. Er fühlte sich auch als römischer Kaiser vor allem als Priester dieses Sonnengottes, den er sogar zum höchsten römischen Staatsgott erklärte und ihm einen Tempel bauen ließ. Im Übrigen führte er, von seiner Mutter unterstützt, ein psychopathisches Willkürregiment mit vielen Mordtaten. Die Großmutter Iulia Maesa spürte die wachsende Ablehnung dieser gefährlichen Witzfigur durch alle Schichten der römischen Bevölkerung und ließ daher den Sohn ihrer zweiten Tochter Iulia Mamaea, Severus Alexander, zum Mitkaiser erheben. Nach mehreren Versuchen Elagabals, den konkurrierenden Vetter zu ermorden, wurde schließlich er selbst mit seiner Mutter 222 von Prätorianern erschlagen.
 
Severus Alexander verkörpert sozusagen den Nachsommer nicht nur der Severerdynastie, sondern der hohen römischen Kaiserzeit überhaupt. Unter ihm wurde der zweite ganz große Jurist Domitius Ulpianus (Ulpian) Prätorianerpräfekt, und der mindestens gleichrangige Iulius Paulus stieg zum Mitglied des kaiserlichen »consilium«, des kaiserlichen Beirats, auf. Severus Alexander, römisch erzogen und gebildet, soll ein gutes Verhältnis zum Senat gehabt haben. Zusammen mit ihm regierten seine Großmutter und seine Mutter, Iulia Mamaea, de facto das Reich, nach dem Tod der Maesa 226 Mamaea allein. In seine Regierungszeit fallen zwei Ereignisse, die den Zusammenbruch des Reiches einläuteten. Zum einen gelangte 224 im Partherreich die Dynastie der Sassaniden an die Macht, die die bisher herrschenden Arsakiden ablösten, und diese schlugen eine dynamische, aggressive Politik gegenüber Rom ein, die schwerwiegende Auswirkungen bekommen sollte. Zum anderen überschritten 233 die germanischen Alamannen den Rhein und begannen, Gallien zu verwüsten. Sie waren nach den Markomannen die weiteren Vorboten der großen Völkerwanderung, und zu ihrer Abwehr eilten Severus Alexander und seine Mutter an den Rhein. Als die römischen Truppen aber merkten, dass weniger militärisches Vorgehen als vielmehr Tributzahlungen an die Germanen vorgesehen waren, meuterten sie und erschlugen bei Mainz (Mogontiacum) den Kaiser und seine Mutter. Zum neuen Kaiser wurde ein älterer Haudegen barbarischer Herkunft ausgerufen, Maximinus Thrax.
 
Zu der äußeren kam eine innere Krise hinzu. Schon unter Trajan hatten sich ja die ersten Anzeichen gezeigt, dass die blühende Stadtkultur begann, in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu geraten. Diese Schwierigkeiten verstärkten sich immer mehr, sodass man dazu übergehen musste, die bisher freiwillig erbrachten Leistungen der Bürger für ihre Städte da und dort zwangsweise einzufordern und überhaupt den Staat immer mehr regulierend eingreifen zu lassen. Caracallas Verleihung des Bürgerrechts an alle Reichsbewohner verfolgte möglicherweise vor allem fiskalische Ziele, und auch die rechtliche Urbanisierung Ägyptens durch Septimius Severus ist zum Teil damit zu erklären. Nimmt man nun noch die immer mehr angewachsene Bedeutung des Heeres als innenpolitischer Machtfaktor und das Zurücktreten des Senats hinzu, dann erscheint folgender Mechanismus des geschichtlichen Prozesses in sich stimmig: Die äußere Bedrohung steigerte die existenzielle Bedeutung der Heere, der kein anderer Faktor mehr ausgleichend die Waage halten konnte. Folglich bestimmten erst recht sie, wer zum Kaisertum gelangen sollte, und da es mehrere Heeresgruppen gab, nahmen neben der Abwehr der äußeren Feinde die gegenseitigen Kämpfe immer mehr zu. Entsprechend wurden die materiellen Mittel der Städte immer mehr und immer ungeordneter herangezogen, die durchziehenden Heere requirierten immer ungehemmter, und der wirtschaftliche Niedergang nahm zu. Das Reich begann, mehr und mehr im Chaos zu versinken.
 
Die Soldatenkaiser (235 - 284 n. Chr.)
 
Das Chaos war so groß, dass wir für die nun beginnenden fünfzig Jahre der Soldatenkaiser - rund dreißig waren es, wobei schwer zwischen legitimen und illegitimen zu unterscheiden ist - einen ganz ungewöhnlichen Mangel an Quellen haben. Daher sind die inneren Mängel am besten anhand der Maßnahmen erkennbar, die Kaiser Diokletian gegen sie getroffen hat, also der Kaiser, der am Ende dieser Periode steht und das Reich wieder stabilisierte. Von den für den Fortbestand des Römischen Reiches lebensgefährlichen Angriffen der Germanen und Sassaniden ist allerdings zu sagen, dass sie zwar die unmittelbare Ursache für die Unzahl der Kaisererhebungen waren, dass sie aber doch im Großen und Ganzen gemeistert wurden. Alamannen, Franken, Goten und die zeitweise bis auf die Peloponnes vordringenden Heruler wurden schließlich doch zurückgeworfen, und diese Leistungen der Soldaten und ihrer Befehlshaber lassen einen den katastrophalen Zustand des Reiches, in den es durch eben diese Heere wegen ihrer Rivalitäten versetzt wurde, doch in einem etwas milderen Lichte erscheinen. Die jeweiligen Kaisererhebungen geschahen oft ja nur deshalb, weil man sich von dem neuen Prätendenten eine effektivere Kriegführung erhoffte, und ein großer Teil dieser Soldatenkaiser bestand tatsächlich aus eindrucksvollen und fähigen Männern, die nicht alle bloße Haudegen waren, sondern die sich auch im Inneren um die Wiederherstellung des Staates bemühten.
 
Nur ganz wenige können wir hier nennen. Nach Maximinus Thrax folgten 238 noch einmal kurzfristig einige Senatskaiser, bis mit Philippus Arabs 244 bis 249 sogar ein wenn auch romanisierter Araberscheich Kaiser wurde. Kaiser Valerian, der 253 auf den Thron kam, führte einen nicht aussischtslosen Perserkrieg gegen den Sassanidenkönig Schapur I., geriet aber als erster römischer Kaiser 260 in Gefangenschaft, in der er umkam; Schapur, rühmte sich dieses Sieges in dem berühmten Felsrelief bei Naksch-e Rostam. Valerians Sohn Gallienus konnte immerhin die Nachfolge antreten und wurde 268 ermordet.Wichtig ist die Regierung Kaiser Aurelians 270 bis 275, auch er wurde ermordet. Mit seinem Namen ist die riesige Stadtmauer verbunden, die er um Rom zog, um die Stadt gegen barbarische Einfälle zu schützen, ein ungeheuer bezeichnendes Faktum. Er besiegte das Sonderkaisertum des Palmyreners Oedenathus und von dessen ihm nachfolgender Gattin Zenobia, die zeitweise sogar Ägypten beherrschte, zog sich aber aus Dakien zurück, sodass in der Forschung die Frage nach der romanischen Kontinuität im Karpatenbogen entstanden ist. Es dauerte dann noch elf Jahre, bis am 20. November 284 der romanisierte Illyrer Diokles, Befehlshaber der kaiserlichen Leibwache, von den Soldaten in Nikomedeia (heute İzmit) zum Kaiser ausgerufen wurde. Unter dem Namen Diocletianus (Diokletian) ist er als der Kaiser in die Geschichte eingegangen, dessen gewaltiges Werk der Stabilisierung und Umorganisierung des Reiches eine neue Epoche einleitete, die des Spätrömischen Reiches.
 
Das Spätrömische Reich bis zur Reichsteilung (284 - 395 n. Chr.)
 
Diokletian erkannte zunächst, dass das Reich straffer zentral geführt werden müsse und dass die Größe der einzelnen Provinzen auch als Basis für Usurpationen den Statthaltern zu viel Machtfülle gäben. Daher verkleinerte er sie, sodass das Römische Reich nun etwa hundert Provinzen zählte. Die Städte waren durch die wirtschaftliche Entwicklung immer weniger in der Lage, als selbsttätig funktionierende Unterinstanzen des Staatsaufbaus zu wirken, und die wilden Verhältnisse der vergangenen fünfzig Jahre hatten erst recht zu ihrem Niedergang geführt. Daher mussten ihre Aufgaben teilweise vom Staat, das heißt von einer staatlichen Beamtenschaft, übernommen werden, die ebenfalls zentralisiert wurde. Diese Straffung der Verwaltung führte zu einer geregelten Finanzverwaltung und Intensivierung der Geldbeschaffung für die gestiegenen Staatsausgaben für das Heer, das auf 60 Legionen vergrößert wurde, für die stark vermehrte Beamtenschaft und für die Bautätigkeit, so für seine Paläste in Nikomedeia und Spalatum (Split) oder für die Thermen in Rom. Die Besteuerung wurde einheitlich geregelt, indem in fünfjährigem Turnus die jeweilige Abgabe nach Person und nach Grundbesitz festgelegt wurde, die demgemäß »capitatio iugatio« genannt wurde.
 
Das Wirtschaftsleben sollte durch verschiedene Münzreformen stabilisiert werden sowie dadurch, dass Diokletian durch kaiserliches Edikt für sämtliche Waren Höchstpreise festlegte; dieses Edikt ist in zahlreichen Bruchstücken inschriftlich erhalten, aber wie alle Höchstpreisvorschriften der Geschichte konnte es sich nicht durchsetzen. Diokletian hatte weiter das Empfinden, dass der Niedergang Roms auch geistige Ursachen habe. Er, der als romanisierter Illyrer das Römertum besonders intensiv empfand, versuchte, im ganzen Reich das römische Recht sowie das Latein als Amtssprache einzuführen, und er wollte die überkommene altrömische Religion dadurch stärken, dass er den Jupiterkult besonders förderte. Das richtete sich gegen die stark vorgedrungenen orientalischen Religionen, darunter besonders gegen das Christentum; unter Diokletian fanden die letzten und besonders grausamen Christenverfolgungen statt. Diese Maßnahmen scheiterten letztlich, im Ganzen gesehen gelang es ihm aber doch, das Chaos der Soldatenkaiserzeit zu beenden und das Reich wieder in ein ruhiges Fahrwasser zu lenken. Ursache dafür war aber gewiss auch eine Art allgemeiner Erschöpfung.
 
Das staatsmännische Geschick des Kaisers zeigte sich auch in der Nachfolgeregelung, und obwohl auch sie in der Weise, wie sie Diokletian vorgeschwebt hatte, keinen Bestand hatte, so führte doch auch sie letzten Endes zu einem lange Zeit stabilen Kaisertum. Diokletian stärkte die Position des Kaisers, indem er ihn, unter anderem durch ein streng geregeltes Hofzeremoniell, zu einer entrückten, über alle anderen weit erhobenen und fast gottgleichen Person machte: Er selbst und alles, was ihn betraf, war von jetzt an »sacer«, heilig. Der Senat spielte nur noch eine rein formale Rolle, wenngleich das Sozialprestige des Senatorenstandes unvermindert hoch war. Außerdem hatte Diokletian eingesehen, dass das große Reich auch wegen der Zunahme der Staatsausgaben nicht mehr von einer einzigen zentralen Spitze aus regiert werden konnte. Da zudem Usurpationen oft auch durch regionale Kräfte zustandegekommen waren, schlug Diokletian durch folgende Regelung zwei Fliegen mit einer Klappe: Er ernannte einen seiner Kampfgefährten zum Mitkaiser, ebenfalls mit dem Titel »Augustus«, und er und dieser Maximinianus adoptierten jeweils einen weiteren Kaiser als eine Art Unterkaiser, der jeweils den Titel »Caesar« bekam und im Rang unter dem Augustus stand; an Prestige stand Diokletian, der »senior Augustus«, ohnehin an der Spitze. Jeder der vier Kaiser dieser Tetrarchie (Vierherrschaft) bekam einen Teil des Reiches als unmittelbares Herrschaftsgebiet, und es war vorgesehen, dass die Augusti turnusmäßig zurücktreten und die Caesares zu Augusti aufsteigen lassen sollten, die ihrerseits neue Caesares zu ernennen hätten. Planmäßig trat Diokletian im Jahre 305 zurück, aber sofort kamen Thronstreitigkeiten auf, die er 308 noch einmal schlichten musste; 311 ist er, der sich in seinen labyrinthischen Palast in Spalatum zurückgezogen hatte, gestorben.
 
Die Tetrarchie funktionierte nicht, man ist versucht zu sagen: natürlich nicht. Weitaus stärker als das so rational ausgedachte Schema erwies sich der dynastische Gedanke bei allen Beteiligten, beim Heer und bei den leiblichen Söhnen der Herrscher. Aus den noch zu Lebzeiten Diokletians ausgebrochenen, in ihrem äußeren Hergang äußerst verwickelten politischen Kämpfen um die Nachfolge ging schließlich der Sohn des Caesars des Maximinianus, des Constantius Chlorus, als Sieger hervor. Dieser Constantius ist als Konstantin der Große in die Geschichte eingegangen. Seinen Beinamen verdankt er der christlichen Kirche, denn er ist es gewesen, der das Christentum zwar nicht zur Staatsreligion, aber doch zu einer staatlich anerkannten und auch geförderten Religion gemacht hat, zur »religio licita«. Die Legende will, dass Konstantin vor einer entscheidenden Schlacht, an der Milvischen Brücke vor Rom, heute Ponte Molle, am 28. Oktober 312 das Christusmonogramm als eine Art Feldzeichen geführt habe, und wirklich gab der Erfolg ihm recht, die Schlacht wurde gewonnen. Nach seinem Sieg über den letzten Rivalen 324 berief Konstantin schon für das nächste Jahr ein Konzil nach Nicäa (Nikaia, heute das türkische İznik) ein, um dogmatische Streitigkeiten aus der Welt zu schaffen, und führte sich dort als Kaiser und Bischof in Personalunion auf.
 
Getauft war er noch nicht, das geschah erst 337 auf dem Totenbett; wie es mit seiner persönlichen Frömmigkeit in den Jahren vor der Taufe stand, ergibt sich allerdings nicht daraus, sie kann durchaus bestanden haben. Es bestand nämlich die Vorstellung, dass eine Taufe kurz vor dem Tode deshalb eine sehr praktische Maßnahme sei, weil nach dem Abwaschen der Sünden kaum noch viel Zeit bestehe, neue zu begehen und man auf diese Weise sündenfrei hinüberwechsele. Wirklich hatte Konstantin einige Sünden begangen und war der Vergebung höchst bedürftig: Als temperamentvoller und aufbrausender Mann und allem eventuellen christlichen Glauben zum Trotz war er in der Herrschaftsausübung und der Sicherung seiner Stellung nicht zimperlich; er ging sogar so weit, seinen Sohn Crispus und seine zweite Frau Fausta zu töten, die er unerlaubter Beziehungen verdächtigte. Vielleicht hatte seine Mutter Helena damit zu tun, eine schillernde Persönlichkeit. Sie war eine Art Marketenderin beim römischen Heer und die Konkubine des Constantius Chlorus gewesen. Von ihrem Sohn in hohen Ehren gehalten, wurde sie Augusta und widmete ihr späteres Leben frommen Werken. Als eine der ersten pilgerte sie nach Jerusalem, sie soll das Kreuz Jesu aufgefunden haben, und sie gründete die Geburtskirche in Bethlehem.
 
Konstantin setzte das staatliche Reorganisationswerk Diokletians fort, wobei nicht immer eindeutig gesagt werden kann, ob seine Grundzüge schon bei Diokletian anzutreffen waren oder erst konstantinisch sind. Die unterste staatliche Einheit war die (kleine) Provinz; die Provinzen waren jetzt alle kaiserlich und deren Statthalter führten durchgehend den Titel »praeses«. Die Statthalter hatten die Oberhoheit über die Rechtsprechung, daher wurden sie oft als Richter, »iudices«, bezeichnet, und sie waren für die Steuererhebung verantwortlich. Die nächsthöhere Einheit war die Diözese, an deren Spitze ein »vicarius« stand; sie scheint weniger wichtig gewesen zu sein. Über dem Vikar stand schließlich die Prätorianerpräfektur, die zentrale Verwaltungsstelle, mit dem Prätorianerpräfekten als Chef; es herrschte insofern ein hierarchisches Verhältnis, als von oben nach unten befohlen und von unten nach oben gegen Entscheidungen Berufung eingelegt werden konnte. Der Prätorianerpräfekt hatte, erstmals in der römischen Geschichte, nur noch zivile Funktionen. Das militärische Kommando bekam ein eigener militärischer Oberbefehlshaber, der »magister militum« mit den Unterfunktionen des »magister peditum« für die Fußtruppen und dem »magister equitum« für die Kavallerie; die Kommandeure auf Provinzebene waren die »duces«. Das Heer wurde in die beiden großen Einheiten der »limitanei« und der »comitatenses« aufgeteilt; erstere bildeten das lokal ansässige Grenzheer, letztere das mobile Heer, das den Kaiser begleitete.
 
Die Zentralverwaltung bestand aus der Prätorianerpräfektur sowie den vier etwa gleichrangigen Ämtern des »quaestor sacri palatii«, des »magister officiorum« und der »comites sacrarum largitionum« und der »comites rerum privatarum«. Die Zuständigkeiten aller dieser Ämter waren nicht generell festgelegt, sondern heterogen zusammengesetzt. Die beiden letzten Ämter hatten die kaiserlichen Finanzen zu verwalten, der Magister officiorum stand verschiedenen Zentralbüros vor, und der Quaestor sacri palatii war eine Art Justiz- und Außenminister. Als reines Hofamt gab es schließlich noch den »praepositus sacri cubiculi«, also den Chef des kaiserlichen Schlafgemachs, der immer ein Eunuch war. Das Berufsbeamtentum wurde ausgebaut. Es gab eine in den (rudimentären) Verwaltungskünsten geschulte Beamtenschaft mit genau geregelten Laufbahnen, Beförderungsvorschriften und abgestuften Gehältern, die in »collegia« organisiert war wie sonstige Zünfte auch. Die Spezialtruppe der »agentes in rebus« war zwar keine Geheimpolizei, wie früher geglaubt wurde, war aber doch für die Kontrolle und Sicherheit zuständig. Die Beamten rekrutierten sich aus dem Mittelstand, oft aus den Städten, und hatten große Aufstiegschancen bis hin zum Ritterstand.
 
Das Städtewesen ging in seiner Vitalität weiter zurück, wenngleich das Ausmaß des Verfalls geringer war, als man früher meinte; manche Städte erfuhren sogar Erweiterungen, wie etwa Jerusalem. Der staatliche Druck nahm zu und lastete zum Teil schwer auf den besitzenden Schichten, die die Leistungen, die sie früher freiweillig der Allgemeinheit gespendet hatten, jetzt zwangsweise erbringen mussten. Zur Sicherung dieser Abgabepflicht wurde die Zugehörigkeit zur städtischen Führungsschicht, den Dekurionen, erblich, und dasselbe Phänomen finden wir auf dem Lande. Wer einmal Pächter, Kolone, war, musste es aus fiskalischen Gründen bleiben und seine Stellung weiter vererben, und weil allmählich hinzukam, dass auch der Wohnort festgeschrieben wurde, gerieten diese Pächter immer mehr in die Position von Hörigen. Es gab Pächter der großen kaiserlichen, also staatliche Güter, und solche von privaten Grundbesitzern mit zum Teil sehr ausgedehnten Besitztümern. Die Verhältnisse waren allerdings nach Ort und Zeit sehr unterschiedlich, und die Anzahl wohlhabender freier Bauern war immer noch beträchltich. Trotzdem ist die Bezeichnung »Zwangsstaat« für diese immer intensiver geregelte spätantike Gesellschaft dann im Großen und Ganzen berechtigt, wenn man nie vergisst, dass unsere Kenntnis lückenhaft ist und dass Erscheinungen, die für einen Zeitabschnitt und für eine Region bezeugt sind, nicht verallgemeinert werden dürfen. Das Bild verliert auch dadurch erheblich von seiner allumfassenden Düsterkeit, wenn man hinzunimmt, dass es Konstantin gelang, durch die Schaffung der Goldmünze, den Solidus, die Währung dauerhaft zu stabilisieren.
 
Die obersten Ränge der Gesellschaft verloren zwar insofern ihre politische Bedeutung, als sie als Gruppe kein politisch einflussreiches Organ mehr hatten. Sie waren aber nach wie vor existenziell wichtig, weil sich aus ihnen die hohen zivilen und zeitweise noch militärischen Funktionsträger rekrutierten. Sie waren steinreich und genossen überaus hohes Sozialprestige. Auch ihre Gliederung wurde insofern reglementiert, als die auch sonst überall anzutreffende Ausdifferenzierung und Aufblähung des Titelwesens auch vor ihnen nicht Halt machte, sodass etwa die traditionelle Bezeichnung »clarissimi« für die Senatoren noch durch den höheren Rang der »spectabiles« ergänzt wurde; die Ritter hießen »perfectissimi«. Die Stadt Rom war immer noch die glanzvollste Stadt des Reiches, und die vornehmsten Familien wohnten dort; nicht umsonst ließ Konstantin den nach ihm benannten Ehrenbogen dort errichten. Daneben bestanden die riesigen und unruhigen Großstädte Alexandria in Ägypten und Antiochia in Syrien, und schließlich gründete Konstantin 330 noch eine neue, nach ihm benannte Hauptstadt an der Stelle der alten Griechenstadt Byzantion am Bosporos: Konstantinopolis. Konstantinopel, heute Istanbul, wurde prachtvoll als »Zweites Rom« ausgestattet, die Schlangensäule von Plataiai kam dorthin, und es wurde in sieben Hügel (später in 14 Regionen) eingeteilt und ahmte Privilegien und Verfassungseinrichtungen wie den Senat der alten Hauptstadt Rom bis ins Einzelne nach. Seine Bedeutung bekam es aber vor allem dadurch, dass von nun an die Kaiser dort residierten.
 
Nach dem Tod Konstantins 337 verübten Soldaten in Konstantinopel ein Blutbad unter seinen männlichen Verwandten, das nur seine drei Söhne Constantinus, Constantius und Constans sowie seine noch im Kindesalter stehenden Neffen Gallus und Iulianus verschonte; die Urheber sind nicht klar zu nennen. Seine Söhne teilten sich die Macht, jedoch fiel Constantinus (Konstantin II.) schon 340 im Kampf gegen Constans, und dieser starb 350 auf der Flucht vor dem gallischen Usurpator Magnentius; Constantius besiegte Magnentius 353 und wurde so alleiniger Kaiser. Constantius, ein gewissenhafter, etwas steifer und temperamentloser Mann, musste fast seine ganze Energie auf die Abwehrkämpfe gegen Germanen und Sassaniden verwenden, hatte aber dabei Schwierigkeiten mit seinen Vettern. Gallus hatte er zum Caesar des Ostens mit Sitz in Antiochia bestellt - auch er und seine Brüder waren von Konstantin schon zu Caesares ernannt worden -, ließ ihn aber 354 wegen Usurpationsverdachts hinrichten. Da er selber vorwiegend im Osten kämpfte, bestellte er 355 seinen anderen Vetter Iulianus, eingedeutscht Julian, zum Caesar in Gallien mit Residenz in Paris, und Julian bewährte sich. 357 brachte er bei Straßburg einem großen Heer germanischer Franken eine schwere Niederlage bei, aber als er 360 Teile seiner Truppen zu Constantius in den Osten schicken sollte, gab es eine Meuterei, bei der er in Paris von den Soldaten zum Augustus ausgerufen wurde. Jetzt war Julian der Usurpator; er zog Constantius entgegen, der aber 361 eines natürlichen Todes starb, sodass Julian alleiniger Kaiser war.
 
Julian ist eine der interessantesten und am besten bekannten Personen der Antike; er hat so viel und auch über sich selbst geschrieben, dass wir über ihn als Person nach Cicero und dem Heiligen Augustin am meisten wissen. Er war wie inzwischen alle Angehörigen des Kaiserhauses christlich erzogen worden, hatte aber als junger Mann ein sozusagen entgegengesetzt ausgerichtetes Erweckungserlebnis, nämlich das zurück zum Heidentum. Julian hätte gesagt zum Griechentum, denn er sah sich als griechischen Intellektuellen, der die alten klassischen Texte las und an die alten Götter glaubte. Er benahm sich auch so; zum einen ließ er sich einen reichlich ungepflegten Philosophenbart wachsen - der Bart Hadrians war dagegen hochelegant -, zum anderen nahm er an literarischen Fehden teil, und schließlich war er in seinem persönlichen Umgang äußerst ungezwungen. Schon damit stieß er auf Ablehnung. Man war inzwischen spätestens seit Diokletian gewohnt, dass sich die Kaiser hoheitsvoll oder sogar steif bewegten und sich auch sonst zurückhielten, wozu auch das Zeremoniell beitrug. Constantius muss ein vorbildlicher Kaiser in diesem Sinne gewesen sein: Als er, der bisher nur in der neuen Residenz Konstantinopel regiert hatte, zum ersten Mal in Rom einzog und auf dem Wagen stehend unter einem Ehrenbogen hindurchfuhr, neigte er, der von kleiner Statur war, überflüssigerweise das Haupt, um zu zeigen, dass seine ideelle Größe als Kaiser das Passieren sonst unmöglich gemacht hätte.
 
Auch in religiöser Beziehung erregte Julian Befremden. Er nahm das Heidentum wirklich ernst, so sehr, dass er eigenhändig Tieropfer vollzog, und dass daran auch von Nichtchristen Anstoß genommen wurde, zeigt, wie sehr das vergeistigte Christentum im Zug der Zeit lag. Nach seinem Regierungsantritt hielt sich Julian zuerst noch zurück, traf dann aber immer stärkere Maßnahmen zur Behinderung des Christentums und zur Förderung des Heidentums, sodass er von christlicher Seite den Beinamen Apostata, der Abtrünnige, bekam. Julian Apostata fasste die heidnischen Religionen nicht mehr als die bunte, unzusammenhängende Glaubenswelt auf, die sie ja waren, sondern ging mit der Absicht um, sie gewissermaßen als Gegenbewegung zum Christentum zu vereinheitlichen und eine für alle zuständige Priesterschaft zu begründen; auch organisierte er von heidnischer Seite aus karitative Werke, ließ sich also vom Christentum zu einer Tätigkeit veranlassen, die den nichtchristlichen Religionen der Antike völlig fremd war. Ganz »antik« im früheren Sinne waren aber seine Vorstellungen vom staatlichen Leben, und auch mit ihnen scheint er versucht zu haben, von der Spätantike wieder zurück in die Frühzeit des Kaisertums zu springen. Er förderte das Städtewesen, bekämpfte die Korruption, wollte den Beamtenapparat verschlanken und überhaupt auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens so wenig Staat wie möglich zulassen. All das war aber kurzlebig. Auf einem Feldzug gegen die Perser wurde er 363 von einem Pfeil getroffen und starb. Die Christen haben das natürlich als Gottesurteil aufgefasst.
 
Nach einem kurzen Zwischenspiel wurde 364 der hohe Offizier Valentinianus zum Augustus erhoben. Er ernannte alsbald seinen Bruder Valens zum Mitkaiser, dem er den Osten als Herrschaftsgebiet zuwies, wobei er immer die höhere Autorität beanspruchte und auch wirklich hatte; 367 machte er seinen Sohn Gratian ebenfalls zum Augustus. Valentinian war vor allem Soldat und war nicht ohne Erfolg bestrebt, im zivilen Bereich nüchtern und gerecht zu regieren. An Rhein - Trier war häufige Residenz - und Donau kämpfte er unablässig gegen die Germanen, 375 starb er, angeblich an einem Wutanfall, der ihn bei Verhandlungen mit den germanischen Quaden überkommen hatte. Wenige Tage später sorgte der germanische Magister militum Merobaudes, ein Franke, dafür, dass sein vierjähriger Sohn Valentinian (II.) Augustus wurde und dass auf diese Weise Merobaudes maßgeblich an der Macht beteiligt war. Die größte kaiserliche Autorität hatte freilich der junge Gratian, der seinen Onkel Valens 378 dringend ersuchte, vor einer kurz bevorstehenden Schlacht gegen ein gotisches Heer bei Hadrianopolis/Adrianopel erst die Ankunft des Heeres Gratians abzuwarten. Valens schlug aber schon vorher los, verlor die Schlacht katastrophal und fiel; nicht einmal sein Leichnam wurde gefunden. Von dieser verheerenden Niederlage datierte eine frühere Geschichtsbetrachtung, die auch für prozesshaft sich entwickelnde Vorgänge feste Daten, möglichst Schlachten, brauchte, den Beginn der Völkerwanderung.
 
Gleich anschließend bewies Gratian seine herrscherlichen Qualitäten, indem er den hohen Offizier Theodosius zum Magister militum machte und 379 zum Augustus erhob. Damit bewies er einen sicheren Blick für politische und militärische Fähigkeiten. Theodosius war ein Römer aus Spanien, und schon sein Vater hatte es zum Magister militum gebracht. Er löste das Germanenproblem auf dem Balkan vorläufig so, dass er den Germanen erlaubte, sich sogar als geschlossener Stammesverband auf Reichsboden niederzulassen. Die Kriege gingen ständig weiter, Gratian, der ebenfalls meist in Trier residierte, scheiterte aber an einem Usurpationsversuch. In Britannien erhob sich der General Magnus Maximus, und Gratian wurde im Zusammenhang mit dessen Erhebung in Gallien 383 ermordet; erst fünf Jahre später konnte Theodosius Maximus besiegen. Allmählich erfüllte sich das Schicksal des jungen Valentinian II. Der zarte Jüngling war inzwischen unter den Einfluss des fränkischen Heermeisters Arbogast geraten, eines Heiden. Heermeister ist der Begriff, mit dem allmählich die Magistri militum bezeichnet werden, die immer öfter nicht nur germanischer Abkunft waren, sondern sich sogar so sehr als Germanen bekannten, dass sie ihre nun wahrlich barbarisch klingenden Namen nicht ablegten. Gleichwohl waren sie in ihrem politischen Verhalten zu Römern geworden und stiegen auch zu höchsten politischen Ämtern auf. Merobaudes war sogar zweimal Konsul, und ein fränkischer heidnischer Heermeister unter Gratian hieß Bauto, dessen Tochter Eudoxia später die Frau des ersten oströmischen Kaisers Arkadios (Arcadius) wurde. Kaiser werden konnten diese Germanen aber nicht, sie mussten sich immer damit begnügen, Kaiser römischer Herkunft zu bestimmen.
 
So verhielt es sich auch mit Arbogast und Valentinian II., und dieses Verhältnis scheint so einseitig gewesen zu sein, dass beim Tod Valentinians 392 der Verdacht aufkam, Arbogast habe ihn umgebracht oder in den Selbstmord getrieben. Gleich anschließend sorgte Arbogast für einen Nachfolger, den stadtrömischen heidnischen oder heidenfreundlichen Zivilbeamten Eugenius. Das konnte Theodosius nicht hinnehmen. Er hatte inzwischen in zweiter Ehe eine Tochter Valentinians I. geheiratet, die schöne Galla, hatte sich dadurch mit der valentinianischen Dynastie verschwägert und begann mit einer immer rigoroseren Religionspolitik. 391 verbot er heidnische Opfer und den Besuch von Tempeln, ein Jahr später sogar überhaupt heidnische Riten. Obwohl das Heidentum gleichwohl noch sehr lange Zeit bis in höchste Kreise lebendig blieb, wird von diesen Maßnahmen Theodosius' an doch mit Recht der endgültige Sieg des Chistentums datiert, das heißt seine Etablierung als Staatsreligion. Umso weniger konnte die germanisch-heidnische Usurpation im Westen geduldet werden. 394 siegte Theodosius in einer Schlacht am Fluss Frigidus in Norditalien über das gegnerische Heer, Arbogast nahm sich das Leben. Der Ausgang der Schlacht wurde dadurch begünstigt, dass plötzlich ein föhnartiger Sturm das heidnische Heer in Verwirrung brachte, und auch hierin sah man das Wirken des Christengottes. Theodosius, der später wegen seiner Religionspolitik den Beinamen »der Große« bekam, starb 395.
 
Prof. Dr. jur. Wolfgang Schuller
 
Weiterführende Erläuterungen finden Sie auch unter:
 
Völkerwanderung: Die Germanen dringen ins römische Imperium
 
römisches Alltagsleben
 
Grundlegende Informationen finden Sie unter:
 
Römische Revolution
 
 
Alföldy, Géza: Römische Sozialgeschichte. Wiesbaden 31984.
 
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 Winkelmann, Friedhelm: Geschichte des frühen Christentums. München 1996.

Universal-Lexikon. 2012.

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